Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 1 (1851-1852)
- Issue
- Heft 13 (Oktober 1852)
- Article
- Die Wissenschaft, das einzige Regenerationsmittel des Judenthums
- Date
- 1852-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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494 Die Wissenschaft, das einzige RegenerationSmittel re. entgegen. Jünglinge und Männer strömten den Lehrern zu und setzten, wie sehr sie auch von Beruf n»d Sorgen beansprucht sein mochten, Zeiten zum Studium der Gotteslehre fest. Die Unwissenheit in der Religion gereichte zur größten Schande. Die Gclchrsamkeit durch Unterstützung zu fördern, galt als ei» hohes Verdienst, als eine Lust, um die man wetteiferte. Oft überragte die Zahl armcr Stndircndcr, die der Mitglieder einer kleinen, armen Gemeinde, und doch rechnete diese es sich nicht zur Last, sondern zur Ehre, so viele Gottesgelehrte in sich zu bergen, zur Verbreitung der Lehre so viel bcizutragen. Mit Enthusiasmus wurde» gelehrte, jüdische Werke selbst von den Unkundigen gekauft, sei eS für die Kinder oder Enkel, die in der Lehre aufwachsc» sollten, oder die gute Sache zu unterstützen oder endlich ihr Haus damit, als mit dem schönsten Schmucke, zu zieren. Selten fand man eine Familie, die nicht den Talmud und andere rabbiuische Werke besaß. Die Jugend wurde, was auch immer ihre künftige Bcstimmnng war, frühzeitig in rabbinischcr Wissenschaft unterrichtet, und was den Jugeudlchrern an Methode gebrach, suchten sie durch Fleiß und Eifer zu ersetzen. Da kannte man noch nicht den Unterschied von Gelehrten und Laien; vielmehr überragten oft schlichte Geschäftsleute einer Gemeinde an rabbinischcm Wissen ihren Nabbineu vom Fache. Hatte auch jene Zeit manche Schattenseiten, so kann man doch diesem allgemeinen Enthusiasmus für Lehre und Gelehrte die ideale Erhebung zum Göttliche», das Hochgefühl eines stolzen Bewußtseins seiner Ncligion nicht absprechen; so verdanken doch alle die bedeutenden Manner unserer Zeis, die durch rabbinischc Kenntnisse mit Wissenschaft verschwistcrt, eine neue Aera für deutsch-rabbiuische Forschung hervorriesen, dem Streben jener Männer ihre Fähigkeit und wir die Erhaltung und Gestaltung des Judenthums. Damals war durch Anstalten, mehr noch durch den die Gesammthcit durchdringenden Geist dafür gesorgt, ״daß alle Söhne Israels kundig des göttlichen Willens למורי ה״ seien." Da hatte Alles seine» Halt und feine Ordnung. Man wußte, was mau von einem Nabbineu verlangte, wo er sich die Kenntnisse hole» konnte, und von wem er antorisirt sein mußte; zumeist aber waren die Männer, welche man berief, schon dermaßen rühmlich bekannt, daß ihr Name hinlängliche Bürgschuft bot; man brauchte nicht Bewerbungen auszuschreiben, daß unbekannte Größen durch ihre Ambirung zum ersten Male öffentlich aufträtcn, sondern wandte sich au einen oder mehrere der vielen schon bekannten Männer, die mau für die Verhältnisse der Gemeinden geeignet hielt. Eben so verhielt cs sich mit den Jugendlehrern