Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Weitere Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 3)
- Language
- German
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Weitere Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden;419־ war und durch die Bereicherung, die er dem Heilmittelschatze zuteil werden ließ, einen förmlichen Wendepunkt in der Pharmazie herbeiführte. Sein bedeutendstes Werk: ״Colloquios dos simples e drogas e cousas medicinaes da India“ wurde 1563 in Goa gedruckt. (Hirsch-Gurlt: Biographisches Lexi« kon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Wien und Leipzig 1884—88. Bd. IV, S. 438.) Dr. Harry Friedenwald (Baltimore) verdanke ich aie Kenntnis der jüdischen Abstammung d'Ortos; er beruft sich auf Augusto da Silva Carvalho: Garcia d'Orta, Comemora^äo do Quarto Centenärio da sua partida para a India em 12 de Mar$o de 1534. Coimbra, Imprensa da Universidada 1934. In diesem Werke wird d'Ortos jüdische Abstammung und seine Flucht vor der Inquisition ausdrücklich erwähnt. Allerdings nahm er wie tausende seiner Landsleute die Zwangstaufe an. — Ähnlich war der Lebenslauf des Christoval da Costa (Acosta), geb. um 1515, gest. 1580. Er begleitete den portugiesischen Vicekönig, Dom Luis de Ataide, nach Indien, wo er einige Jahre die ärztliche Praxis ausübte und gleichzeitig die Natur״ geschichte dieses Landes studierte. Er unternahm lange und anstrengende Reisen in tropische Gegenden, erlitt Schiffbruch, kam in Gefangenschaft und hatte viele unangenehme Erlebnisse in Persien, China und Afrika. Nach seiner Rückkehr nach Europa ließ er sich in Burgos nieder und schrieb hier seine Werke (in spanischer Sprache). D'as wichtigste darunter ist sein ״Tractado de las Drogas y medicinas de las Indias Orientales“ (Burgos 1578) mit zahlreichen Abbildungen von Pflanzen und Drogen nach eigen« händigen Zeichnungen des Verfassers. Viele von diesen, für die Medizin ungemein wichtigen Pflanzen waren bis dahin in Europa unbekannt. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übertragen; die lateinische Übersetzung (Antwerpen 1582) stammt von dem berühmten־ Arzt und Botaniker Carolus Clusius. Sowohl d’Ortos ״Colloquios“ als auch da Cöstas ״Tractado“ waren von ungewöhnlicher Bedeutung für die medizinische Drogenkunde jener Zeit und behielten durch die Jahrhunderte hindurch ihren Wert als Quellen״ werke. (Schaer: Geschichte der Pharmakologie und Toxikologie, in Pusch« manns Handbuch der Geschichte der Medizin. II. Jena 1903. S. 572. ־— Hirsch«Gurlt: a a. O., Bd. I, S. 50.) — Außerordentlich verdienstvoll für die Pharmazie war auch Moise Charas (1618—1698), dessen Zugehörigkeit zum Judentum wenig bekannt ist. Während ihn die einen als gebürtigen Fran« zosen bezeichnen (aus Uzes?), bezeichnen ihn die anderen als Marranen. Auf jeden Fall war Charas jüdischer Abstammung, was Karl II. von Spanien nicht hinderte, ihn zu seinem Leibarzt zu ernennen. Später kam Charas an den Hof Ludwig XIV. von Frankreich, ״der ihn trotz seines Rücktritts zum Judentum nicht nur feierlich aufnahm, sondern ihn auch zur Aufnahme in die Akademie empfahl.“ (Jüdisches Lexikon, Band IV, Spalte 32). Auch Steinschneider führt ihn in seiner Liste der jüdischen Ärzte (unter Nr. 487) an. Seine bedeutendsten Werke sind: ״Pharmacopee royal galenique et chymique“ (Paris 1676), ״Nouvelles experiences sur les viperes“ (Paris 1669; deutsche Ausgabe Frankfurt a. M. 1679), eine in weiteren Kreisen Aufsehen erregende Schrift über das Viperngift, und ״Traite de la Theriaque“ (Paris 1686). Charas besaß in Paris die Apotheke