Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Weitere Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 2)
- Language
- German
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41:8 Lavoslav Glesinger Mittelalter: Nissim ben Rüben Gerondi (RaN), der von 1320 bis 1380 in Barcelona lebte und einer der bedeutendsten Gesetzeslehrer seiner Zeit war, erfreute sich auch als Arzt hohen Ansehens. Er übersetzte u. a. auch Rezeptsammlungen. (Jüdisches Lexikon, s. v.) — In der Jüdischen Rundschau (1938, Nr. 44/45) beschreibt Ilse Cohnen ein aus dem 13. Jhdt. stammendes hebräisches Antidotarium, das sich im Queens7 College zu Cambridge befindet.; In diesem Antidotarium wird der sog. ״Ezra״Theriak“ erwähnt. Das beschriebene Manuskript scheint eine von den zahlreichen hebräischen Übersetzungen des Antidotarium Nicolai Salernitani (oder Praepositi) zu sein. Dafür spricht auch die Erwähnung des ״Ezra־Theriak“. Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein Heilmittel, das von einem jüdischen Arzt Namens Ezra (aus Moncontour?) erfunden wurde, wie dies Frau Cohnen annimmt, sondern der erwähnte Ezra ist niemand anderer als Ezra Hasofer. Der Theriak und andere Heilmittel des Mittelalters wurden vielfach berühmten Personen des Altertums zugeschrieben (u. a. auch der Königin Kleopatra). Zu diesen gehörte auch Ezra, der im Antidotarium Nicolai ״Propheta doctor Esdras“ genannt wird und von dem es heißt (Ed. Venet. 1549, fol. 210 B): ״Esdras propheta in Babylonia in exilio positus eam prima invenit“. (Pagel: Geschichte der Heilkunde im Mittelalter, in Puschmanns Handbuch der Geschichte der Medizin. I. Jena 1902. S. 651.) Auch in dem ältesten deutschen Arzneibuch, dem Dispensatorium des Va״ lerius Cordus, werden zwei von Ezra stammende Heilmittel angeführt und zwar ״Ezdrae Antidotus ex Aetio“ und ״Esdrae Antidotus ex Actuario“. Das erste findet sich bei Aetius Amidenus (6. Jhdt.), das zweite bei Joannes Actuarius (14. Jhdt.). — Der in der Geschichte der Alchemie rühmlich be״ kannte Isaac Hollandus (vgl. Encyclopaedia judaica, s. v. ״Alchemie“) hat auch gewisse Verdienste für die Pharmazie bzw. pharmazeutische Chemie. Seine ״Opera mineralia“ enthalten bereits die Vorschrift, aus dem Rück״ Stande der Scheidewasserzubereitung (durch Erhitzung von Salpeter mit Vitriol) ein besonderes Salz,* das Kaliumsulfat, auszuziehen. (Kopp: Ge״ schichte der Chemie. Braunschweig 1843—47, Bd. IV, S 19.) Auch die Zu״ bereitung des ״sal ammoniacum fixum“ war ihm bereits bekannt (ebd., S. 50). Zweihundert Jahre später (1673) verkaufte der Holstein״Gottorpsche Leib״ arzt Georg Bussius das von Isaac Hollandus entdeckte Verfahren zur Her״ Stellung des Kaliumsulfats als Geheimnis für 500 Reichsthaler. Das so zu״ bereitete Heilmittel erhielt nun den Namen ״Panacea holsatica“ oder ״Arcanum holsteiniense“ (ebd. S. 20). Es ist bemerkenswert, daß die ״Opera mineralia“ noch im Jahre 1716 in deutscher Übersetzung in Hamburg herausgegeben wurden. Neuzeit: Unter den bedeutendsten Förderern der wissenschaftlichen Pharmazie der Neuzeit finden wir drei Marranen. Der erste unter ihnen, Garcia d'Orto (da Horta), geboren zu Ende des 15. oder Anfang des 16. Jhdts., war eine der glänzendsten Erscheinungen in der Geschichte der Pharmazie. Er studierte in Salamanca und Alcala, war Professor der Me״ dizin zu Lissabon oder Coimbra, ging 1534 als Physico d,El Rei D. Joäo III. nach Portugiesisch Ostindien, wo er in Goa als Arzt und Botaniker tätig