Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Karäische Studien
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 11)
- Language
- German
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414 Jb&ob Neubauer tums, wie vor allem auf Karäer (für erstere denke man wiederum etwa an Chiwi Habalchi117), Einfluß gewann. Freilich greifen hier Reflexbewegung und gegenseitige Wechselwirkung eng ineinander118. Bewegungen, die im XJr- Sprung schon lange Zeit vorhanden waren, empfingen in jener für die damalige jüdische und orientalische Welt von Spannungen und innerer Gärung so reidien' Jahrhunderten neuen Auftrieb119. So mögen aber auch Verschiedenheiten und Gegensätze, die bis dahin, obwohl als solche empfunden, doch im wesentlichen im talmudischen Judentum friedlidi nebeneinander Raum hatten, dadurch eine bis dahin ungeahnte Radikalisierung und Verschärfung erfahren haben, durch die sie in die stärkste Gegenstellung gerückt wurden. (Daß Strömungen, die mehr zu anthropomorphisdien Vorstellungen und zum Gebrauche derselben hinneigen, und andere, die ihnen abweisender gegenüberstehen, in der tannaitischen und amoräischen Agada nebeneinander bestanden haben120, hat Marmorstein in seiner erwähnten Schrift durch zahlreiche Beispiele deutlich gemacht121.) Das Erstarken der Mystik in jener Zeit findet sein Gegenspiel im philosophischen Rationalismus, der entweder im rabbanitischen Judentum zu einer 117 Vgl. Poznanski, Hageren 7, 1907, 128ff., ZfhB 19, 5. 118 Vgl. auch Baron 3, 346. 119 Vgl. etwa Harkavy, Jew. Enzycl. I/553b; Isr. Friedländer, JQRN. S. 1, 1910/11, 185 ff. 120 Freilich muß hier überhaupt mit der Eigenart der ״Theologie“ der Agada Rechnung gehalten werden, deren einzelne Sentenzen nichts weniger sind als die Sätze eines in sich geschlossenen Lehrgebäudes der Dogmatik. Äußerungen, die rein logisch gesehen, paradox sind und einander aus« schließen, brauchen hier nicht Kennzeichen verschiedener ״theologischer“ Schulen und Richtungen zu sein, sondern können Fühlen und Empfinden der gleichen Menschen über ״theologische“ Dinge in ״elastischer“ Art zum Ausdruck bringen, wie auch sonst Äußerungen gegensätzlicher Art in diesem Sinne im Munde des gleichen Autors sich finden mögen; hierzu siehe etwa die feine Charakteristik von Kadushin, Theology of Seder Eliahu I, 1932, 22 ff., 24, 25, der es als ״organisches Denken“ bezeichnet. Zur Charakteristik des Anthropomorphismus in der Agada vgl. daher ergänzend Kadushin 44 ff. besonders seine Unterscheidung 45 unten. 121 Vgl. dieselbe passim, besonders etwa 26 ff., 29 f., 56 ff., 97. Eine andere Frage ist es hingegen, ob man Marmorstein und G a s t e r a. a. O. in der Ansetzung jenes hohen Alters für Schriften extremer Verkörperlichung wie das Schiur Koma folgen wird.