Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Abravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2830031-2830038-2841523--55585-2841583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Abravanels Lehre vom Niedergang־ der Menschheit 397 sicht vom Urmenschen (als ipcptrco(; evvoia) von vornherein besessen haben; er kann also durch den Baum nur die willkürlich-menschlichen Ansichten gewinnen, oder vielmehr: er zeigt sich, indem er der 5[?׳ov׳/j folgt, schon beim Genuß in ihnen befangen, verdient also — unter Voraussetzung der kynischen Werlskala — scharfen Tadel. Zweitens wird das biblische Bild von Sündenfall und Urväterzeit dem römischen, der Renaissance geläufigen, weitgehend angeglichen. Nur insofern weicht er allerdings von dem letzteren ab, als er den Niedergang der Menschheit nicht nur aus der StaaxpocpVj, ähnlich wie die Kirchenväter, sondern auch aus der göttlichen Strafe für diese erklärt, welche dazu führt, daß dem Menschen die idealen Vorbedingungen für das seiner Bestimmung gemäße Leben entzogen werden, so daß der Mensch heute leider auf den Staat und gewisse Tedhnai angewiesen ist. Daher kann er zwischen naturfördernden, naturfernen und naturwidrigen Technai unterscheiden und den ersteren eine relative Beredhtigung zuerkennen, aber natürlich, ohne den Grundsatz, daß jede Techne nur bedauerlicher Notbehelf ist, aufzugeben. Maimuni, Ab. und — Wellhausen gehen also darin zusammen, daß nach ihnen (wenn auch aus verschiedenen Gründen) der biblische Adam die sittliche Erkenntnis von vornherein besaß, das Verbot sich somit nur auf intellektuelle Scheinwerte beziehen kann. In der Annahme, daß diese Scheinwerte die zivilisatorischen sind, greifen die Neueren (seit Kant) unbewußt auf Ab. zurück, aber auch in dem methodischen Bestreben, die isolierten Angaben der Bibel über die Urgeschichte zu einem, einheitlichen — unserer eigenen Vorstellung verwandten — Bilde zusammenzufassen. Aber darin unterscheiden sich natürlich die beiden bibelgläubigen Erklärer von den neueren, daß sie das Werturteil der Bibel nicht nur erläutern, sondern auch selbstvertreten. Hieraus aber ergab sich für Ab. eine Schwierigkeit, die gerade derjenige hoch einschätzen wird, dem als Zeugnis für die Lebensanschauung eines Menschen nicht nur sein Wort, 30 Die Stufenfolge der Technai (111:50c, Baer 252) mag durch Sen. Ep. 88, 23 angeregt sein. Über Verwandtes im Christentum vgl. Finkelscherer Anm. 32; E. F o e r s t e r RGG2 V 731.