Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Abravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 16)
- Language
- German
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396 Isaak Heinemann satz zu der auf das Geistige und Ewige gerichteten £717ן^:דה1ס]) gewiß legitimiert; nur ist leider in unserem Zusammenhang nicht viel mit ihr geholfen. Denn wieso das Wissen um den Körper — von Maimuni im Mischne Thora von Religionswegen gefordert! — die sittliche Erkenntnis beeinträchtigt, ist nicht abzusehen; Porphyrios* Frage bleibt also offen; Ab. gesteht das im Grunde ein, indem er zu einer Anleihe bei Ibn Esras allegorischer Deutung greift, den Baum zum Vermittler sündiger Begierden macht (27 b) und demgemäß die Schlange als ״erregende“ Kraft der Phantasie (mit Anlehnung an Maimuni: תאוותיו הדמיוניות) mit Samael gleichsetzt (34 b). Wohl aber gelingt Ab. der Nachweis des Schadens der מפורסמות, indem er sie — der kynisch-stoischen Bichtung folgend — in Gegensatz zu den טבעיות setzt, wie es an den S. 384 f. angegebenen Stellen geschieht. Zulässig war dies: denn מפורסם steht synonym mit מוסכם oder מכתגי (Zunz 74), entspricht daher nicht nur svSo^oc, sondern auch ׳fre׳ui%6q, dem Adjektiv von jenem Begriff der Thesis, der zu Physis, wie wir sahen, in konträrem Gegensatz steht, mindestens soweit sie auf 5d§a (falschem Wahn)28 beruht. Daher hat sich Adam, indem er sich (nach Maimuni!) der .׳ תאורfjSovVj. hingab, nicht nur von der Vernunft, sondern auch von der Natur losgesagt. Indem Ab. letzteres betont, ja, in den Vordergrund rückt, gelingt es ihm, Adam zum Ahnherrn all der ״thetischen“ Einrichtungen der Folgezeit zu machen. Damit erreicht er zweierlei: Erstlich wird die Frage, warum die Erkenntnis des Guten und Bösen verboten und warum ihre Erlangung durch Adam verurteilt wird, vollkommen befriedigend gelöst; denn die natürliche Einsicht in Gut und Böse muß Adam als Ebenbild der Gottheit (Maimuni)29, aber auch nach der stoischen An- 28 Über in der Stoa vgl. Bonhöffe r7 Epictet und die Stoa 1890r 178 ff. Natürlich geht Ab. nicht von der Etymologie aus; aber seine Auf« fassung von der Erkenntnis zweiten Ranges läßt sich mit Hilfe der Ety« mologie gut veranschaulichen. 29 In diesem Sinne mag Ab. auch Ovid Met. I 83 verstanden haben: finxit in effigiem moderantum cuncta deorum. Zum folgenden vgl. Heine« m a n n7 Pos. met. Sohr. 11.445 ff.