Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Abravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 15)
- Language
- German
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Äbravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit 395 Diese Kritik ist gewiß nidit unberechtigt. Denn Maimuni faßt den Begriff der ol^äw« (מפורסמות) svSoga im aristotelischen Sinn; danach stehen diese Lehrsätze zwar den Vernunftwahrheiten nach, bedürfen aber, soweit sie allgemein anerkannt sind, gar keines Beweises25. Dennoch würde ihn Ab.s Einwand nicht sonderlich beschwert haben. Denn seine Begründung der Gebote ״betrachtet das soziale Leben unter einem durchaus unsozialen Gesichtspunkt; sein ganzer Wert besteht darin, daß es dem einzelnen die Erlangung seiner Lebensbedürfnisse ermöglicht, die zur Vervollkommnung seines Körpers notwendig sind . . . Maimunis Ethik betrachtet das Individuum, nicht die Gesellschaft; das Wesen des Individuums aber besteht in seinem Intellekt“26. Von hier aus ist der Gewinn aus dem Erwerb der konventionellen Wahrheiten gering, um so größer aber die Gefahr, daß, wie der gewiß nicht pietätlose Bachja27 es ausdrückt, ״die Überlieferung an Stelle des Nachdenkens“, also die Konvention an Stelle der methodisch gewonnenen Wahrheit tritt. Wie stark Maimuni, als er den More schrieb, diese Gefahr gefühlt hat, ist im allgemeinen bekannt. Ab., weit weniger am Zusammenhang eines abstrakten Systems als an der geschichtlichen Wirklichkeit orientiert, kann auf diesen Gedanken natürlich nicht kommen. Aber es gelingt ihm, einen Ausweg zu finden, indem er an dem Begriff der מפורסמות festhält und ihn nur, statt im aristotelischen Sinne, im Anschluß an solche antike Systeme erklärt, die seiner Zeit näher standen. Er betont zunächst (32 a), daß die Begriffe Gut und Böse über die des Schönen und Häßlichen hinausgehen und in ihrer ethischen Bedeutung auch nach Aristoteles der Vernunft angehören, daß folglich der im Ebenbilde Gottes geschaffene Mensch ihre Erkenntnis schon vor dem Genuß vom Baume besessen haben muß, — jedoch (so fügt er hinzu) nur in dem Sinne wie die höheren Geister, bei denen sie ״begrifflich wissenschaftlich“, nicht ״praktisch materiell“ ist. Diese Auffassung der svSoga ist durch Platons Auffassung der als der Erkenntnis des Körperlich-Veränderlichen (im Gegen- 25 Vgl. Munk z. St.; Zunz, Ges. Sehr. III 74ff.; Efros, Philosophical terms in the More Nebukim 1924, 77; Klatzkin, Thesaurus II 1928, 248; Ch. Neuburger, Das Wesen des Gesetzes in der Philosophie des Maimonides 1933, Anm. 233. 26 N e u b u r g e r 38 f. 27 S. 15 Y. S. 12 St. 27*