Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Abravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 14)
- Language
- German
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394 Isaak Heinemann kommen zu und weiß seine Position dadurch zu vertiefen, daß er zwischen der göttlichen Absicht und der menschli(hen Sünde eine bessere Verbindung her stellt. Er bestreitet nicht die Mitwirkung der Begierde, erinnert vielmehr geschickt an das talmudische Wort, daß Auge und Herz die Kuppler der Sünde sind (6 a); aber er sieht die Sünde bereits in der Verleugnung des Lebensziels, dessentwegen das Verbot gegeben war: schon dadurch, daß sich Adam dem Baum der Erkenntnis des Konventionellen zuwandte, hat er sich von dem Baum des Lebens, also von der substantiellen Verbindung mit Gott durch das Denken, abgewandt (ebd.); denn die Vernunft kann keine konträren Gegensätze gleichzeitig erfassen (bc), wie die unabänderlichen Vernunftinhalte und die in unser Belieben gestellten konventionellen Werte es sind (5 d)24. Daher ist die Unkenntnis der Unterscheidung zwischen ״Gut und Böse6‘ kein Mangel, sondern ein großer Vorzug des Menschen gewesen (ebd.). Die Sünde des Menschen ist somit eine doppelte, Gedanken- und Tatsünde; er wurde (nach 6a Mitte) schon für die Hinwendung zu der ihn lockenden Frucht bestraft, ״obwohl er noch keine Sünde begangen hatte66; seine Strafe wurde besiegelt — nicht wegen einmaligen Essens, sondern wegen häufiger Wiederholung, welche sein ״Versinken im Genuß6‘ beweist (ebd. unten). Die erste Übertretung Adams, das Symptom des Ungehorsams, tritt also in Ab.s Erklärung zu More noch stärker zurück als bei Maimuni. Daß die Auffassung Maimunis dem Einwand des Porphyrios seine Schärfe nimmt, erkennt Ab. auch in der S. 391 mitgeteilten Frage 14 zu Gen 24 wohl an. Aber eine befriedigende Lösung gibt sie seiner Meinung nach noch nicht. ״Auch wenn wir den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen mit Maimuni auf die Erkenntnis des Konventionellen beziehen, so bleibt die Frage, warum sie ihm Gott kategorisch verboten hat, da doch der Mensch wegen seiner Natur und der Verbindung mit Familie und Staat notwendig der Erkenntnis der konventionellen Ordnung bedarf“. 24 Arist. Eth. Nie. II 39 a b unterscheidet 060 ׳cd Id*f0v syovia, ev yiv &£ü)pou|xev ׳ca zoiabxa xdiv dv׳ca>v oöüjv al dpyal 11ן7׳ evos^ovxai ähXuk eyeiv, ev xd svoe^dpteva. a>