Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Abravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 13)
- Language
- German
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Abravanels Lehre vom Niedergang• der Menschheit 393 notwendig die ihn schützende Emanation der Gottheit mindert. Maimnni ist sich offensichtlich klar darüber, eine durchans neue Auffassung Tom Sündenfall vorzutragen. Das Neue liegt erstlich darin, daß das Verbot des Essens vom Baume der Erkenntnis nicht ausschließlich im Willen Gottes begründet, sondern dem Menschen ״um seiner Vernunft willen gegeben“ ist. Denn jedes Gesetz, lehrt Maimuni III 26 in bewußtem Gegensatz zu manchen Talmudlehrern, hat seinen Grund, der auch uns bei voller Kenntnis der Umstände der Gesetzgebung erkennbar wäre; und da dies Gebot weder, wie manche andere (ebd.), einen sozialen oder ethischen Zweck haben kann, so muß es der Aufklärung des Menschen dienen, wie viele, z. T. zunächst undurchsichtige Gebote der Thora. Mit dieser Neuerung hängt zusammen, daß die Sünde des Mensehen nicht eigentlich in der Auflehnung gegen den Willen Gottes als solchen besteht (s. o. über .מרד), sondern in seinem hedonistischen Motiv. Indem somit die Thora nicht eine einmalige Geschichte erzählt, sondern die ewige Lehre von der wahren Bestimmung des Menschen und der wichtigsten Ursache seines Abfalls verkündet, erweist sie sich als ״Weg- Weisung für die Früheren und Späteren“, wie Maimuni zu Beginn seiner Antwort bedeutungsvoll erklärt. Damit hat Maimuni sein letztes Wort über Gen 2 f. freilieh nicht gesprochen. Erst II 30 läßt er erkennen — aber auch dort nur in vorsichtiger Andeutung —, daß er die ganze Erzählung allegorisch auf faßt. Für diese Erkenntnis halt er Shilosophisck Ungebildete, auf die er bei den ersten Kapiteln es More (I 1 Ende!) durchaus rechnet, nicht für reif. Ihretwegen wird er daher auch den gefährlichen Einwand des Gegners, warum Gott dem Menschen die Erkenntnis von Gut und Böse verboten habe, verschwiegen und folgerichtig seine Antwort, daß ״das Verbot unserer Vernunft willen gegeben“ ist, ohne Begründung in einen Relativsatz versteckt haben, um nicht auf den Einwand eingehen zu müssen. Denn diesen wahrhaft Großen schützt tiefes Verantwortungsgefühl, aus echtem Stolze geboren, vor den Anfechtungen der Gelehrteneitelkeit: mag das beste, was er erdacht, unausgesprochen oder doch unverstanden bleiben, wenn nur sein Wort den ewig Blinden nicht zum Fallstrick wird! Ab. stimmt dem Neuen, das Maimuni geboten hatte, voll- Monatsschrift, 82 Jahrgang 27