Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Abravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 12)
- Language
- German
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392 Isaak Heinemann die Ähnlichkeit mit Gott, d. h. anf den Besitz der Vernunft beziehen: vielmehr sind Elohim Richter; und der Baum konnte ihm nur die Erkenntnis der konventionellen Werte (s. u.) geben. ״Dafür, daß er sündigte und den von seiner Phantasie eingegebenen Gelüsten und den körperlichen Gemissen seiner Sinne nachging, wie es heißt: .der Baum war schön zum Essen und Lust für das Auge*, büßte er, indem ihm die Vernunfteinsicht verloren ging; infolgedessen sündigte er gegen das Gebot, das ihm um seiner Vernunft willen gegeben worden war, erlangte die Erkenntnis der konventionellen Werte und versank in derjenigen des Häßlichen und Schönen. Nunmehr erkannte er das Maß dessen, was ihm verloren gegangen war, von dem er ״entblößt54 (37) war; daher heißt es: ihr werdet sein wie die Richter, kundig des Guten und des Bösen, — nicht: kundig des Unwahren und des Wahren55. — Maimuni faßt also טוב und 36 תאוה in philosophischem Sinne: ersteres als Gegensatz zum ״Wahren55, letzteres f]80v^. Schon durch solches ״Sehen‘5 der Frucht, das die Bibel von Eva aussagt, Maimuni aber nicht ohne Berechtigung auch für Adam voraussetzt, hat der Mensch gesündigt, — מרה; darin liegt nicht Ungehorsam gegen ein bestimmtes Gebot, sondern religiöser Abfall23. Für ihn büßt er, durch Verlust der Erkenntnis, nicht infolge göttlichen Eingreifens (trotz des Passivs נענש), von dem ja nichts überliefert ist, sondern notwendig, da die Hingabe an das Triebleben ״das Licht der Vernunft auslöscht55 More I 32. Infolgedessen schritt er zum zweiten Abfall, indem er das Verbot übertrat; hierfür wurde er durch die Vertreibung aus dem Paradies bestraft; dies war nach dem folgenden die analoge, folglich (III 41) gerechte Strafe; denn der Genußsucht entspricht die Entziehung der zuvor gewährten Genüsse. So gewiß nun diese Bestrafung durch die besonderen Anordnungen 318 f. erfolgt, so gewiß ist sie nicht als außergewöhnlicher Vorgang aufzufassen, sondern entspricht der grundsätzlichen Überzeugung Maimunis III 18 (vgl. 51 Mitte), daß die Abwendung des Menschen von Gott 23 Beide Worte vom Glauben gebraucht: Kusari I 77 Ende und Über« Setzung.