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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 6 · p. Seite 390

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 6
Article
Abravanels Lehre vom Niedergang der Menschheit
Date
1938-01-01
Page
Seite 390 (sequence 10)
Language
German
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390 Isaak Heinemann es sich, daß Maimuni ihn als חכם bezeichne und doch wegen seiner Haltung zur Bibel abkanzle <מבזה). Der Urtext unterstützt diese Vermutung, da der Unterredner dort ״Wissenschaftler“ genannt wird und sein Unrecht darin besteht, daß er die Bibel ״nach dem ersten Augenschein“ (Munk I 38, 2) erklärt. Überdies läßt sich der Einwand in der heidnischen Bibelkritik nachweisen. Kaiser Julian schreibt im 1. Buch seines Werkes gegen die Christen (S. 168 Neumann): ״daß Gott die Unterscheidung zwischen Gut und Schlecht dem von ihm geschaffenen Menschen untersagte — ist das nicht der Gipfel des Aberwitzes? Welches Wesen wäre unseliger als ein solches, das nicht zwischen Gut und Böse zu untercheiden weiß? Denn offenbar wird es dieses — das Böse — nicht vermeiden, jenem — dem Guten — nicht nachgehen. Und die Hauptsache ist, daß Gott dem Menschen dann verboten hat, von der Vernunft zu kosten, welche doch seine höchste Ehre dar stellt; denn daß die Unterscheidung zwischen dem Guten und dem Schlechteren die besondere Aufgabe der Vernunft bildet, weiß auch der Unverständige. Daher ist die Schlange weit eher ein Wohltäter und kein Schädling des menschlichen Daseins gewesen.“ Der erste Vorwurf findet sich bereits in der Polemik des P o r p h y - rios (Harnack, SBA. 1916, 67 Fg. 42): ״weshalb hat Gott dem Menschen die Erkenntnis des Guten und des Bösen verboten? Mag sein: die des Bösen; weshalb aber die des Guten? Indem er nämlich sagt, von dem Baume . . . dürft ihr nicht essen, hat er ihn gehindert, das Schlechte zu wissen; warum denn aber auch das Gute?“ Es ist wahrscheinlich (wenn auch für uns ohne Belang), daß Julian den ganzen Gedankengang nach seiner Art aus Porphyrios, von dessen Polemik wir, abgesehen von seiner Danielkritik, nur wenige Bruchstücke haben, übernommen hat. Maimuni legt seinem Unterredner nur den Einwand in den Mund, daß die Strafe des ersten Menschen unangemessen war. Da aber der Kritiker auch nach ihm glaubte, daß an den Genuß vom Baume der Erkenntnis die höchste Vollkommenheit des Menschen geknüpft war, so lag für diesen der Einwand gegen das göttliche Verbot, den Julian im ersten

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