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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 6 · p. Seite 380

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 6
Article
Gute Hoffnung
Date
1938-01-01
Page
Seite 380 (sequence 5)
Language
German
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380 Edmund Stein Allerdings tritt bei Philo das eschatologische Moment ganz zurück; nur auf die geistige Vervollkommnung (׳ceXefaxnc, Quis rer. div. her. 311) kommt es hier an12. Die eschatologische Hoffnung ist aber, wie wir bereits festgestellt haben, rein jüdisch, und nichts war einfacher für Paulus, als die hellenistisch-jüdische substanzielle Hoffnung mit den palästinisch-jüdischen Zukunftsbildern zu vereinigen. Nimmt man die Entwicklungsgeschichte der frühchristliehen Theologie hinzu, so wird man kaum zweifeln, daß Paulus aus der jüdisch-hellenistischen Philosophie geschöpft hat13, deren Hauptvertreter für uns Philo ist. Hingegen ist der Begriff der Hoffnung als selbständiger Tugend auf rein hellenistischem Boden unbekannt14. Nur auf dem Boden des jüdischen Hellenismus bestanden Voraussetzungen für die Behauptung, nur der Hoffnungsvolle sei ein Mensch (ö'ti jjlövoc sueXmc #vfrpü)7coc)״ Freilich klingt es 12 S. Bultmann 526. 13 In Sap. Sah ist die gute Hoffnung Folge davon, daß man sich, die göttlichen Attribute der Menschenliebe (cpiXavfrpoma) und des Erbarmens (e'Xso;) vergegenwärtigt: xa! spsX7ci^a<; hzoivpas toüc m06$ aou, 0-1 . , . 1213. 14 Interessant ist es zu forschen, wie gewisse geistige Eigenschaften, die in der Stoa wenig positiv, oder gar negativ beurteilt werden, eine ausgesprochene positive Wertung erfahren, sowohl in der jüdisch-hellenistisehen Philosophie, als auch im Judentum. So verhält es sich z. B. mit der Buße (ye/cccvota), die im Stoizismus gemäß der rigoristischen Affektenlehre abfällig behandelt wird, wogegen stoizisierende jüdische und christliche Schriftsteller dieses Gefühl zu den Tugenden zählen. Siehe P. Barth, Die Stoa4, 92, 167 f.; B o n h ö f f e r, Ethik des Epiktet 48, 57. Ebenso verhält es sich mit der Hoffnung. Im Stoizismus, wo das sitt״ liehe Ideal in der Freiheit von jeglichem Affekt (ebca&sia) beruht, konnte die Hoffnung nicht als Tugend angesehen werden. In dieser Hinsicht besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen der kynischen Skepsis (Anth. Pal. IX 172, 1), oder dem Epikureismus (Diog. Laert. X 127) und der Stoa. Hier entfernt sich Philo von der Stoa, auf die er sich sonst auf dem Gebiete der Sittenlehre stützt. Auffallend ist es, daß Philo formal auch hier auf dem Boden der Stoa bleibt, indem er die Hoffnung so darstellt, daß sie zu den stoischen stkafrsiai gezählt werden kann. Wesentlich aber ist dies alles unstoisch. Vgl. E. B r e h i e r, Les idees philosophiques et religieuses de Philon d’Alexandrie 364. Das ist aber verständlich, da das Judentum nach Bousset 266, 211 in hohem Grade Hoffnungsglaube und Hoffnungsfrömmigkeit ist.

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