Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Gute Hoffnung
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 3)
- Language
- German
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378 Edmund Stein der Fromme guter Hoffnung ist (Sapienta Sal. 34) sind die Gottlosen jeder Hoffnung bar (das. 318). Jedoch ist die Gottesfurcht selbst nicht hinreichend, um wahre Hoffnung hegen zu dürfen. ״Auf Gott stütze deine Hoffnung und beachte Seine Wege“ (Ps 37g4). Es ist der biblische Grundsatz von der Nachahmung Gottes, oder vom ״Wandel in den Wegen Gottes“2. Kennzeichnend ist, daß in der angeführten Hiobstelle die Bibel selbst die praktische, sittliche Seite ergänzt in den Worten: ״Deine Hoffnung und die Redlichkeit deiner Wege“3. Überdies ist der Hoffnungsbegriff im NT. ״eschatologisches Gut“4, getragen von messianischer Heilsbotschaft. Ebenso ist die Hoffnung in der nachbiblischen Literatur oftmals eschatologisch begründet. In der Sapienta ist die Hoffnung der Gerechten ״der Unsterblichkeit voll“ (׳f] eXrcic aöxtöv afravaatac 7rX^p7]c 34); II Makk 7115 1420 bezieht sie sich auf die Auferstehung. Mit Recht sagt Bultmann: ״Im übrigen tritt, namentlich, wo der jüdische Einfluß stark ist, das Moment des Wartens auf die eschatologische Zukunft stark hervor.“ Selbstverständlich wirkt die biblische Anschauung vom Wert der Hoffnung im talmudischen Schrifttum weiter fort; was Rengstorf (Kittel, Theolog. Wörterbuch II 522) vom ״Fluch der Ungewißheit der rabbinischen Leistungsreligion“ spricht, ist reine Phantasie5. R. behauptet, daß in der talmudischen Literatur das Wort תקוה verschwunden sei. In Wahrheit wird z. B. Midrasch Tehillim zu Ps 40 (ed. Buber 257 f.) die Hoffnung als eschatologisches Gut so klar als möglich gekündet und eingeschärft: ״Es liegt in Israels Macht zu hoffen (שיקוו), daß sie Gott erlösen wird“• Israel müsse unaufhörlieh ״hoffen und wieder hoffen, Hoffnung um Hoffnung“ (תקוד, אחר תקוה... קיווי ושובו וקיווי). Beten und Hoffen retten aus der Höllennot (das. § 2). Hoffnung ist mehr denn Opfer. Hoff- 2 Vgl. auch Ps 373, wo sX7uי q mit yvp7}30x7j<; verbunden wird: sX7aoov hc vupiov xal Ttotet ypYjaöxyjia. 3 Der ganze Satz lautet bei Hitzig: ״Ist deine Frömmigkeit nicht deine Zuversicht, deine Hoffnung sie, die Redlichkeit deiner Wege?1" 4 Bultmann 529, auch zum fgcL 5 Rengstorf stützt sich auf E. Stauffen, Paulus und1 Akiba, (1932), 113 f.