Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Gute Hoffnung
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gute Hoffnung 377 u. a.). Gegen diesen ״ritualis tischen Eudaimonismus“ trat besonders heftig der Philosoph Diogenes auf. Er erhob den Einwand, daß danach eingeweihte Verbrecher glücklich sein müßten, während ein in den Mysterienkreis nicht aufgenommener Epaminondas zur ewigen Verdammnis verurteilt wäre. Verwandte Erwägungen veranlaßten z. B. auch Sokrates und Platon, dem Begriff der Hoffnung einen ethischen Charakter zu geben. Die gute Hoffnung (ocaM] SXtccc) ist denjenigen eigen, die das Ideal der Sittlichkeit im Leben verwirklichen. In der Folgezeit wechseln die ritualistische und die ethische Anschau־׳ ung. Das Neue Testament stützt sich nach Novotny auf die Ethisierung, die später auch bei Plutarch hervortritt. Novotny behandelt unser Problem von einem prinzipiellen Standpunkt: im Zusammenhang mit der Frage nach der Abhängigkeit des Neuen Testaments vom Hellenismus und der Möglichkeit seiner Loslösung vom Alten Testament und vom Judentum überhaupt. Die Fragestellung verdient daher besondere Betrachtung. Es ist methodisch erforderlich, zu scheiden: 1. den Begriff der Hoffnung als Ausfluß sittlicher Vollkommenheit; 2. die Hoffnung als selbständige Tugend. L Soweit die Hoffnung als Begleiterscheinung gewisser Tugenden gilt, kann religiöse oder sittliche Tugend gemeint sein. Novotny beruft sich auf ein Fragment aus einer Komödie Philemons, nach welchem den Frommen gute Hoffnung zukommt; folglich führe Frömmigkeit zur Hoffnung. Diese Ansicht sei dem AT. fremd (S. 357). In Wahrheit kennt das AT. Hoffnung als Ausfluß der Frömmigkeit gut: ״Gottes Äuge sieht auf die, die Ihn fürchten, die auf Seine Güte hoffen66 (Ps 3318). ״Das werden viele sehen und Gott fürchten und auf Ihn hoffen66 das. 40, 4). ״Ist ja deine (Gottes)-furcht deine Hoffnung66 (Hiob 46); oder: ״In der Gottesfurcht ist Hoffnung der Stärke66 (Spr Sal. 1426)ו• Auch in der nachbiblischen Literatur ist Hoffnung mit Gottesfurcht verbunden. So Ben Sira 31!4f.; Psalmen Sal. 6S. Während 1 Andere Stellen gesammelt von Bultmann im Theologischen Wörterbuch zum NTV herausg. von Gerhard Kittel s. v.£^ rck II 513 ff. Monatsschrift, 82. Jahrgang 20