Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur hebräischen Poesie des Mittelalters
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 16)
- Language
- German
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Zur hebräischen Poesie des Mittelalters 321 Ob H a i G a o n Yerse gemacht hat, war bisher stark umstritten; das didaktische Gedicht Mussar Haskel wurde ihm vielfach abgesprochen. Brody widerlegt alle Zweifel und ist in der Lage, 21 Dichtungen von Hai mitzuteilen, an deren Echtheit nicht zu zweifeln ist38. Sie beweisen, daß der als talmudische Autorität gefeierte Gaon tatsächlich ein Dichter von Eigenart und tüchtigem Können gewesen ist. Neben einigen Huldigungsgedichten, die bereits bekannt waren, aber hier in verbesserter Textgestalt erscheinen, erhalten wir einige religiöse Dichtungen. So z. B. 7 Selichot, deren Tenor von dem sonst bekannten Schema abweicht, da sie alle auf ein Zwiegespräch des Menschen mit Gott, etwa nach Art der makkabäischen Psalmen, eingestellt sind. Beachtenswert ist auch eine Dichtung mit dem Inhalt der Aboda, die ständig auf die Zustände der Gegenwart Bezug nimmt. Auch von MoscheibnGikatilla wissen wir, daß er ein Dichter gewesen ist, aber die Neuzeit kannte so gut wie nichts von ihm und bestritt daher die Überlieferung. Brody hat auch hier versucht, dem Dichter sein Gut zurückzugeben, indem er nach den besten zugänglichen Handschriften das Material vorlegt und kritisch bewertet39. Das zahlreiche handschriftliche Material des Forschungsinstituts setzte Schirmann in den Stand, über die Dichtungen der Zeitgenossen von Mosche ibn Esra und Jehuda Halevi zu schreiben und dadurch die Blütezeit der hebräischen Poesie in Spanien bedeutend zu erhellen40. Er behandelt 28 Dichter, d. h. schon den Namen nach mehr als bisher über ד־ haupt bekannt waren, aber er kennt auch weit mehr Dichtungen von ihnen, als man bisher ahnte. Yon jedem Dichter werden kurz die bekanntesten biographischen Daten und besonders die Beziehungen zu den Dichterfürsten erwähnt, worauf dann eine Aufzählung aller bisher von ihnen veröffentlichten Dichtungen mit der Fundstelle und schließlich der Text der neugefundenen Gedichte gegeben wird. Yon Levi ibn 38 IIIS. 1—63, 211—213. 3» Das. S. 65—90. 40 II 117—194, IV 247—296. Vgl. auch die neue Biographie Jehuda Halevis, die Schirmann in Tarbiz IX veröffentlicht. Monatisisclirift, 82. Jahrgang 21