Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur hebräischen Poesie des Mittelalters
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 7)
- Language
- German
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312 Ismar Elbogen Inhalt des Diwan läßt den Verfasser nicht gerade als Dichter von Rang erscheinen. Er ist ein außerordentlich geschickter, gewandter, auch geistvoller Versemacher. Er erfreute sich bei seinen Zeitgenossen ungewöhnlicher Beliebtheit, seine Epigramme waren weit verbreitet, seine Hochzeits- oder Huldigungslieder ebenso wie seine Grabschriften sehr begehrt, sein Ausdruck und sein Esprit zogen die Leser an. Der Diwan hat seinen bedeutenden kulturhistorischen Wert, er bietet einen Ausschnitt aus dem Leben der Juden Italiens, in dem der Verfasser (1571—1648) mehrere Jahrzehnte lang eine zentrale Figur war. Er ist auch für die kulturelle Eigenart der Juden in Italien charakteristisch. Das älteste erhaltene Gedicht des Verfassers ist eine hebräische Übertragung des ersten Gesanges von Ariostos Orlando Furioso, er hat sie im Alter von zwölf Jahren verfaßt. Auch den 28. Gesang ״Donne, e voi, che le donne havete in pregio“, der aus den späteren Ariosto-Ausgaben als undezent entfernt wurde, hat Modena übertragen, und Bernstein gibt ein Faksimile des italienischen Textes nach der Ausgabe Venedig 1560. Ebenso bringt er zehn Lieder, die hochgestellten Christen gewidmet sind, denen z. T. italienische Texte zugrunde liegen. Aber mehr als diese Äußerlichkeiten zeigt die ganze Art seiner Dichtung den Einfluß der italienisehen Umwelt. Modenas Sprache beruht auf Bibel und Talmud — sogar Reime in aramäischer Sprache findet man bei ihm —, aber der Mann ist ein Italiener mit allen Vorzügen und Schattenseiten eines venezianischen Bohemiens des 17. Jahrhunderts. Die Handschrift ist nicht nach Materien geordnet; der Verfasser hat offenbar hineingeschrieben, was und wo er gerade wollte; Bernstein hat die Gedichte sachlich geordnet in solche der Jugendzeit, Buchapprobationen, Huldigungslieder für angesehene Christen, Lieder der Freundschaft und der Beschwernis, Epigramme und Aufschriften, Hochzeitslieder, religiöse und epische Dichtungen, Klagelieder und Grab- Schriften. Er hat die Texte, soweit sie anderweitig zugängig waren, verglichen und Varianten gegeben, auch die einzelnen Gedichte mit Erläuterungen begleitet, die vor allem die Situation und vorkommende Anspielungen beleuchten, und unentbehrlich sind — wenn auch der Dichter verächtlich von Dich-