Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur hebräischen Poesie des Mittelalters
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 5)
- Language
- German
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310 Ismar Elbogen war für das Gebetbuch verfaßt oder wurde darin auf genommen. Unter den hebräischen Dichtern des Mittelalters steht der Nagid ferner darin allein, daß er als einziger Kriegslieder verfaßt hat, die selbsterlebte Kämpfe mit ihren Nöten und Gefahren schildern. Audi die Ängste, die er um seine Familie ausgestanden hat, namentlich wenn während seiner Abwesenheit die Kinder tödliche Krankheiten durchzumachen hatten, erleben wir deutlich mit. In allen diesen Gelegenheitsgedichten erweist sich der Nagid als ein Mann, der seinen tiefempfundenen Erlebnissen einen starken Ausdruck zu geben verstand, und das in der neueren Literatur vielfach über ihn verbreitete ungünstige Urteil wird auf Grund der genaueren Kenntnis seiner Gedidite revidiert werden müssen. , Den Gedichten, die er treu nach der Handschrift mit nur ganz seltenen Anmerkungen herausgibt, fügt Sassoon eine ausführliche Einleitung bei, in der er die wichtigen Ereignisse im Leben des Dichters (seine Lebenszeit will er von 993 bis nach 1058 setzen), seiner Familie und seiner Zeitgenossen, soweit sie in den Dichtungen berührt sind, eingehend erörtert. Auch die sonstigen Werke des Dichters, die ja nur in Bruchstücken oder Zitaten be« kannt sindy werden gründlich besprochen. Vieles davon wird die Forschung noch weiter beschäftigen10, die Charakteristik und die Biographie sind in« zwischen von Schirmann vertieft worden* 11. Ein alphabetisches Register der Gedichte mit Hinweis auf bisherige Veröffentlichungen schließt das Werk ab (S. 323 ff.). B r o d y, der in den letzten Jahren eine bewundernswerte Arbeitskraft entwickelt und u. a. auch die Herausgabe der religiösen Lieder Jehuda Halevis, wenn auch vorerst noch ohne Kommentar, abgeschlossen hat12, legt auch den Diwan des Eleasar ben Jaakob ha-Babli13 vor. Von dieser Gedichtsammlung, die E. N. Adler entdeckt hat, war schon häufig die Rede, und namentlich S. Poznanski hat sie seinen 10 Vgl. z. B. die Frage nach der Abfassung der הלכאתא גבראתא in Tarbiz VI 69 ff., 230 ff., 241. 11 Kirjath Sepher XIII 373—382 sowie׳ Zion I 261 ff., 357 ff., Knesset II 393 ff., vgl. auch Tarbiz VII 299 ff% 12 Diwan des Abu«Hasän Jehuda ha«Levi von D׳r. H. Brody IV; Gottes« dienstliche Poesie, (1. Teil Texte). Berlin, Mekize Nird'amim, 1930. 13 דיואן קובץ שירי רבי אלעזר ב׳ יעקב הבבלי יו״ל ע״י חיים בראדי. Diwan of Eleasar ben Jaakob ha«Babli ed. H. Brody, Jerusalem, Mekize Nirdamim, 1935. Nach Jacob Manns Mitteilung enthält die Bibliothek in Leningrad noch mehr Ge« dichte von ihm.