Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur hebräischen Poesie des Mittelalters
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 4)
- Language
- German
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Zur hebräischen Poesie des Mittelalters 309 seinen Brüdern bis auf einen, dem er mächtig grollte, bis ins Alter im herzlichsten Einvernehmen lebte und seinen Weltschmerz darauf zurückführte, daß er Granada, die gemeinsame Heimat, nach der Eroberung der Stadt durch die Almoraviden verlassen mußte und sich in der Fremde einsam fühlte. Eine Edition von höchster Wichtigkeit ist auch die des Diwans von Schemuel Hanagid, den D. S. Sassoon in der einzigen erhaltenen Handschrift entdeckte und nach eingehenden Studien veröffentlichte9. Die Ausgabe enthält die drei Sammlungen: Ben Tehillim mit 203 (S. 1—116), Ben Mischle mit 1126 (S. 119—255) und Ben Kohelet mit 413 Gedichten (S. 257—322); einige wenige Gedichte kehren in zweien dieser Sammlungen wieder. 250 Gedichte waren bisher völlig unbekannt, sie erweisen sich als wichtig nicht nur für die Beurteilung des Dichters, sondern auch für die Kenntnis seiner Lebensgeschichte. Die meisten Gedichte der ersten Gruppe, mit deren Sammlung und Niederschrift des Dichters ältester Sohn Josef 1044 im Alter von achteinhalb Jahren begann — die zweite hat ein jüngerer Sohn Eljasaf in dem noch früheren Alter von sechseinhalb Jahren 1056 begonnen — wurde aber durch später entstandene Gedichte ergänzt, und auch die dritte enthält Gedichte aus den späteren Lebensjahren. Die beiden letzten Sammlungen umfassen meist kurze epigrammatisch gefaßte Gedichte in loser alphabetischer Anordnung, beide nach Leitversen geordnet, die an der Spitze stehen. Audi die erste Sammlung besteht von 146 an aus kurzen Liedern, ״die dem Verfasser in den Tagen seiner Muße vorgetragen wurden66; bei den vorhergehenden ist vom Sammler ganz genau der Anlaß, sehr häufig auch das Entstehungsjahr angegeben. Die Lieder des Nagid bilden in der hebräischen Poesie des Mittelalters eine Gruppe für sich, da keines von ihnen für den Gottesdienst bestimmt war; es sind wohl Dichtungen mit tiefem religiösen Empfinden darunter, aber keine von ihnen 9 דיואן שמואל הנגיד יו״ל בפעם ראשונה בשלמותו " י ״ עם הקדמה ומפתח שירים ע״י דוד בץ מלימאן ששון. Diwan of Shemuel Hannagtiid with an introduction and ind'ex of poems by David Salomon Sassoon, London 1934.