Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 5 · p. Seite 305

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 5
Article
Bedeutungskundliche und bibelexegetische Bemerkungen
Date
1938-01-01
Page
Seite 305 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2830031-2830037-2841425--55477-2841458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bedeutungskundliche und bibelexegetische Bemerkungen 305 Die talm. Literatur nimmt die Bilder, die ihr aus der Schrift bekannt sind, auf, sucht aber mehr in erklärender Weise ihnen gerecht zu werden. Verhältnismäßig gering ist die Anwendung als Bildform naiver Sprachvermittlung wie Joma 9b: sie durchbohrten sich mit den Schwertern ihrer Zungen. Meist werden die Bilder zum reinen Vergleichsmaterial herabgewertet und als Grundlage angesehen, aus der sich moralische Folgerungen ergeben. Die üble Nachrede, die der ursprünglichen, das Bild des abgeschossenen Pfeiles verwendenden Vorstellung zufolge nur den trifft, auf den man angelegt hat, trifft jetzt drei Personen: den, der sie aufbringt, den, der sie verbreitet, und den, gegen den sie gerichtet ist35. Es ist der Methode des Talmud gemäß, wenn er nicht mehr das Bild als voll deckenden Ausdruck der Tat wertet, sondern diese vom Bild ablöst und die Inkongruenz beider aufweist. ,.Der Pfeil legt nur eine bemessene Strecke zurück, die Verleumdung reicht in ihrer verderblichen Wirkung vom Himmel bis zur Erde“ (Arakh. 115b). Bei den Primitiven wird seelisches Leid als ein Übel empfunden, das dem Körper zustößt. Das kommt besonders beim Erlebnis des Todes zum Ausdruck, wobei allerdings noch die Furcht hinzukommt, der Tote könnte wieder kehren und den überlebenden Mitgliedern der Familie einen Schaden zufügen. So glauben die Terackumenen in Mexiko, daß die Toten die Leute krank machen, damit auch sie sterben und sich mit denjenigen vereinigen, die vor ihnen hingegangen sind und, da sie sich im Totenreich einsam fühlen, ihre Gesellschaft begehren36. Viele Trauerriten gleichen denen, die geübt werden, wenn eine Krankheit im Dorfe wütet, auch Reinigungszeremonien finden statt, als sei eine körperliche Infektion eingetreten, die es zu vertreiben gilt37. Die Vorfahren der heutigen Kulturvölker hatten die gleichen Anschauungen wie wir sie bei den Primitiven beobachten. Es müßte mit merkwürdigen Dingen zugehen, wenn nicht Spuren davon in der Sprache zu entdecken wären. In der Tat gibt es eine Reihe von Ausdrücken im Arabischen, in denen die Begriffe 35 J. Pea 11, Deb. r. 510. 30 Lumholtz, Unknown Mexico I, 380. 37 K. Th. Preufi, Die geist, Kultur d. Naturvölker, S. 65. Monatsschrift, 82. Jahrgang 20

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.