Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bedeutungskundliche und bibelexegetische Bemerkungen
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 10)
- Language
- German
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304 Max Katten Sicherlich ließen sich diese Beispiele um viele noch vermehren. Nicht nur im Worthaften haben sich die Urzeitbrauche eine Erinnerung geschaffen, sie leben auch fort in den Bildern und Metaphern, die im Erbbestand der lebendigen Sprache mitgeführt werden. Wie Sehwertstiche oder wie ein wundenreißender Pfeil kann das Lügenwort töten Jer 97, Spr 1218, die Zunge gebietet über Leben und Tod, Spr 182!. Gleich Schlachtbeil, Schwert und spitzer Pfeil verletzt Un- Wahrheit, die über einen Menschen verbreitet wird, Spr 25!8, und Brandpfeile und Todesgeschosse wirft, wer leichtsinnig seinen Nächsten zum Besten hat, Spr 2618. Ganz gleichlaufend verwendet das arabische Sprichwort die Metapher. ״Die Zunge ist ein Schwert, dessen Schärfe schneidend ist, und das Wort ein eindringender Pfeil, der nicht zurückgenommen werden kann“29. Der Pfeil stellt hier offenbar das gefährlichere Kriegsinstrument dar. Im jüdisehen Schrifttum wird beim gleichen Thema ausgeführt: Warum gleicht die Verleumdung dem Pfeil? Das gezückte Schwert kann in die Scheide zurückgestellt werden, wenn sich der Träger eines anderen besinnt, der abgeschnellte Pfeil kehrt nicht mehr zurück30. Eine Erinnerung an das mordende Schwert birgt das arab. Sprichwort: Die Zunge ist des Nackens Feindin31. Von einem heimlichen Verleumder sagt der Araber: Er ißt sein Brot mit den Fleischstücken der Menschen32 mit Verwendung einer Metapher, die in אכל קרצא eine feststehende Redeweise geworden ist. Wir erwähnen von weiteren Spruch- Wörtern, die mehr oder weniger dieser Kategorie angehören: Die Zunge hat einen kleinen Umfang, aber sie begeht große Sünden33, die Zunge ist des Menschen Feindin34. 20 G. W. Freytag, Arab. prov. III, 2864. 30 Schock, tob 120. 31 J. L. Burckhardt, Arab. Sprichwörter usw. 119. Die Erläuterung, die B. hierzu gibt, daß der Verleumder sich selbst in Lebensgefahr begebe, sieht am Eigentlichen vorbei; wenn es auch später die Araber selbst so ver« standen haben mögen, wie das Wort beweist: Hüte dich, daß deine Zunge nicht deinen Hals zerschlage, Freyt. I, 218. Solche Auffassungen mochten entstehen, wo die bildschaffenden Urtatsachen nicht mehr bekannt waren. w כ 32 (j*Lü| Freyt. III 139. aa Freyt. III 2865. 34 Ebd. 2872.