Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das religiöse Problem in der personalistischen Philosophie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
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294 Arthur Galliner Schützer und Heilbringer, den Richter und Bestraf er, sieht in der Welt nur eine Veranstaltung zum Wohl und Wehe des eigenen Selbst, so wäre dies eine absolute Ver-Ichung, die ebensowenig wie absolute Ent-Ichung als Religion bezeichnet werden kann. Gewiß setzt jede Religion Ent-Ichung wie Ver- Ichung voraus. Aber es darf hier kein ״Entweder-Oder66 geben. Denn Ent-Ichung schaltet den Reichtum der Selbstwerte aus, Ver-Ichung aber ist Verherrlichung des eigenen Selbst durch alle Nicht-Ich-Werte; die eine führt zum blinden Sklavengehorsam, die andere zur hemmungslosen Triebbefriedigung. Unfreiheit ist beides. Darum muß eine Verlcnüpfung beider versucht werden. Ich kann — als absolutes Ich — das absolute All in mich auf nehmen, das Absolute der Welt ist nicht nur fremder Zwang und erdrückende Allmacht, sondern auch Verwandtschaft zum absoluten Ich. ״Ich bin nicht nur ein Teil, sondern habe auch Teil an ihm. Ich bin nicht nur abhängig von ihm, sondern auch anhänglich an ihn66. Religion ist nicht nur ״schlechthinniges Abhängigkeitsgefühl66 (Schleiermacher), sondern auch ״schlechthinniges Anhänglichkeitsgefühl66. Die Verschmelzung beider und damit die Überwindung des Gegensatzes von Ver-Ichung und Ent- Ichung vollzieht sich in der religiösen Introzeption. ״Wer religiös introzipiert, ist dem eigenen Ich gegenüber ebenso frei von Selbstvergottung wie von Selbstvernichtung66. Erst durch diese Introzeption wird die ״Allperson66, die als Abschluß der systematischen Welterklärung gefordert wurde, dem Menschen zur Gottheit. Es ist dies Introzipieren ein Verstehen des Göttlichen — ״das Göttliche kann man nicht erklären, sondern nur verstehen. Und wir verstehen Gott dann, wenn wir in ihm das absolute personale V o r b i 1 d für die eigene personale Selbstgestaltung erblicken66. Solch absolute Introzeption des Absoluten ist am reinsten nur im Monotheismus möglich, und er ist darum Religion im echten Sinne. Denn hier ist Gott der heilig gesetzte Selbstwert, ins Absolute erhoben, d. h. alles umfassend, nichts neben, nichts über sich duldend, unteilbar und unendlich — und zugleich — als Heiligkeitswert — von personalem Dasein. Die Verwandtschaft und Zugehörigkeit von endlicher und ab-