Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das religiöse Problem in der personalistischen Philosophie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
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292 Arthur Galliner steht der Selbstwert mit unendlicher Selbstwertfülle, steht die göttliche Allperson. Damit greift diese Philo- Sophie konsequenterweise hinüber in die Sphäre des R e 1 i - g i ö s e n. ״Die Selbstwertfülle verleiht dem endlichen Selbstwert eine religiöse Bedeutung. Sie drückt aus, in welchem Umfang und in welcher Tiefe er die Gottheit introzipiert. ״Introzipiere!“ aber heißt hier: sich an Selbstwertfülle bereichern, sich Gott ähnlicher machen. So kommt das personalistische Denken schließlich zum Postulat einer Person, die kein höheres Ganzes über sich hat, die absolut ist in ihrer Selbstbestimmung und in ihrer Vieleinheit; dies Ganze ist die Totalität des Kosmos, ist die Allperson. So gelangt der Denker zu einem personalen P antheismus, der deutlich sich von dem abhebt, was sonst unter Pantheismus verstanden wird. Der Gottesbegriff ist hier nicht wie in naturalistisch-monistischen Lehren ein Ausdruck für die umfassende Einheit alles natürlichen Geschehens und Seins, auch nicht nur ein ander Wort für ״Weltgesetzlichkeit“, sondern Ausdruck der Überzeugung von einem persönlichen Gott. ״Gott ist Person, oder er ist es nicht!“ Und noch eine zweite Abgrenzung ist nötig: der impersonale Pantheismus verkündet in naturwissenschaftliehen Weltanschauungen die Vergottung der Weltgesetzlichkeit, der personale Theismus lehrt in den positiven Religionen (nach Stern) den weltentrückten, von außen stoßenden Gott — clem gegenüber erklärt der personale Pantheismus, daß Gott nicht neben der Welt stehe, daß Gott und Welt nicht außereinander seien, er vertritt die Überzeugung von der w e 11 e r f ü 11 e n d e n lebendigen Ganzheit der Allperson. Aber der kritische Personalismus erkennt auch denWiderspruch, der in diesem Gottes-Begriff, der ,,All-Person“ liegt und anerkennt, daß dieser Widerspruch in der Sphäre des Denkens nicht gelöst werden kann. Denn ״als All -Person muß Gott konkret und individualisiert, als All- Person unendlich und unbegrenzt gedacht werden. Als All -Person ist Gott verwandt mit jeder endlichen Person, ist ihr nahe, als All- Person ist er mit ihr schlechthin unvergleichbar,