Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das religiöse Problem in der personalistischen Philosophie
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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Das religiöse Problem in der personalistischen Philosophie 291 gegen — ebenfalls aus vielen Teilen bestehend — bildet keine reale eigenartige und eigenwertige Einheit, funktioniert in Teilfunktionen und vollbringt keine zielstrebige Selbsttätigkeit. Die Person ist aktiv, die Sache passiv, die Person zielstrebig, die Sache mechanisch. Die Person hat Qualität, die Sache Quantität, die Person ist Selbstzweck, die Sache Fremdzweck, die Person ist eigenwertig, die Sache ist indifferent, ist darum ersetzbar, die Person ist nicht restlos ersetzbar. Diesen Dualismus, auf dem die Spannungen im Dasein des Einzelnen wie im Leben der Völker beruhen, gilt es, zu einer Einheit zu verschmelzen, zu einem Monismus, der aber nicht — wie der Materialismus — alles Persönliche versächlicht und dadurch entwertet, sondern dadurch, daß — umgekehrt — der Begriff der Sache aus dem Prinzip der Person abgeleitet wird, d. h. daß alles Geschehen nicht als ein Mechanisdies, sondern als ein Wirken aufgefaßt wird. Denn alles Wirken geht von der Person aus und zwar aus dem Drang zur Selbsterhaltung und zur Selbstentf a 11 u n g. In jeder Persönlichkeit wirkt der Zwang, alle Erscheinungen, alle ״Sachen66 sich ihrem Wesen einzugliedern, alle Werte, die nicht unser Ich selbst sind, aufzunehmen und dadurch unsern Selbstwert zu verwirklichen, alle Werte: die sozialen, ethischen, künstlerischen, religiösen. ״Nimm sie auf66, damit Du durch sie Deinen Eigenwert erhöhst, Deinen Selbstwert erfüllst. ״Introzipiere!66 das ist der kategorische Imperativ von Sterns personalistischer Philosophie. Diese Philosophie beruht auf der Überzeugung: das Apriori alles Philosophierens ist der Glaube, daß die Welt zugleich seiend und werthaltig ist. ״Es gibt Werte66 ist das objektive Wert-Apriori. ״Ich werte, also bin ich66 — das subjektive Wert-Apriori. Und dieses — dem Cartesianischen Cogito ergo sum bewußt nachgebildet — enthält zugleich den Glauben des Ich an seinen Selbstwert. ״Ich werte, also bin ich Wert!66 — Selbstwert hat nur die Person als eigenwertige Einheit, also nicht etwa nur der Mensch. Aber ein Selbstwert besteht nicht für sidi, sondern ordnet sich ein in den Kosmos der anderen Werte, und so entsteht eine Rang- Ordnung, eine Hierarchie der Selbstwerte. An der Spitze aber 19*