Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rund um Philo [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Hans Joachim Schoeps summarische Behauptung wie die, daß bei Philon die Sünde nur eine Er« kenntnisverfehlung, eine Art menschliches Selbstmißverständnis sei, auf« recht zu erhalten, wie wir oben bei der Darstellung dieses gerade für Philo ziemlich komplizierten Sachverhaltes durch K n u t h ausgeführt haben. Eine ganze Reihe weiterer Sätze — wie ״die Freiheit zur Sünde enthält zugleich die Möglichkeit der Erlösung von ihr (S. 33) — werden von Kuhlmann ohne ausreichenden Beleg recht willkürlich her geleitet, wie er überhaupt der Gefahr unterliegt, mehr und anderes im die Texte hineinzu« lesen, als wirklich in ihnen steht. Das muß aber nicht unbedingt auf das Belastungskonto der Existenzialphilosophie gesetzt werden, die immerhin den Vorzug vor der traditionellen Interpretation hat, daß sie — weil sie abgestellt ist auf das Daseins Verständnis des heutigen Menschen — historische Texte und Gestalten dem heutigen Bewußtsein konfrontiert und nicht mit Maßstäben und Kategorien mißt, die der Zeit vor 50 oder 100 Jahren angemessen gewesen sind. Nur dürfen nicht die für alle Zeiten geltenden Gesetze des historischen Verstehens um irgendeiner Modernität willen verletzt werden. Und die Berechtigung, ja Notwendigkeit anthropo« logischer Orientierung für die jüdische Theologie glaube ich aus der besonderen Struktur jüdischer Religionslehre heraus in meinen eigenen Arbeiten ausgewiesen zu haben. ★ 4. Die vierte Arbeit steht nur am Rande unseres Themas. Es handelt sich um die höchst bedeutsame Interpretation einer Begriffsgeschichte, nämlich der Entwicklung des — jüdisch wie christlich zentralen — Begriffs! der ״Monar chia Theon‘ von Aristoteles bis Augustin — durch den früher protestantischen Theologen Erik Peterson. Peterson weist nach, daß der Begriff der Alleinherrschaft Gottes, dessen Wurzeln einmal im metaphysischen Interesse der hellenistischen Philosophie, für den Kosmos ein Einheitsprinzip auszuweisen, zum anderen in der genuin bib« lischen Vorstellung: Gott -als Schöpfer und Regent der Welt aufzuzeigen sind, bei Philon zu einem■ Propagandabegriff geworden ist, d!er die Ueber« legenheit des jüdischen Volkes und seine Mission in der Heiden weit be« gründen soll. Philon habe den jüdischen Monarchiebegriff in den Verhält« nissen und Gegenüberstellungen der ägyptischen Religionskämpfe (gegen die Monarchie der Isis) ausgebildet. Den politischen Monarchiebegriff Homers, der in der Metaphysik des Aristoteles (Ende des 12. Buches!: ״Nicht gut ist Vielherrschaft, ein Herrscher seil44) auf den altgriechischen Staat be« zogen gewesen ist, habe Philon auf Israel und in universaler Ausweitung auf den Kosmos und seine Leitung durch Gott bezogen. ״Ein Herrscher und Fürst und König, dem allein es gestattet ist, das All: zu regieren und zu verwalten.4״ (cönf. ling. 170.) Das universalistische Bewußtsein Israels, priester« lieh für die g a n z e Menschheit zu stehen, weil Israel ״das am meisten von Gott geliebte. Volk44 sei (de Abr. 98), ist aber nicht nur philionisch, wie Peterson meint (S. 23 f.), sondern durchaus auch talmudisch«rabbinische Lehre, denn die 70 Stiere des Hüttenfestes entsprechen — gemäß der Völker« tafel in Genesis 10 — den 70 Völkern der Welt, die das Sühnopfer des