Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 4 · p. Seite 272

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 4
Article
Rund um Philo [Rezension]
Date
1938-01-01
Page
Seite 272 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2830031-2830036-2841318--55429-2841399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

272 Hans Joachim Schoeps tistische Charakter seines Sünden- und Erlösungsbegriffes, der letzten Endes daher resultieren dürfte, daß die Berith, der zwischen Gott und dem Volke Israel geschlossene Bundesvertrag nebst seinen Rechtssatzungen, nicht dogmatisch zentral steht, wiewohl Philo einen Blick für Gesetz und Eigenart des jüdischen Volkes, für die Bundessymbole und die volkserhaltende Kraft der Ritualgesetze bei aller universalen Orientierung gehabt hat, was Knuth ohne Schaden bei Heinemann S. 481 ff. und1 a. a. O. hätte nachlesen können. Und richtig urteilt Verf. ferner: ״Auch Phiions Erlösungsgedanke ist nicht jüdisch, weil er nicht eschatologisch, Sondern rein psychologisch ist“ (S. 72). Und diese Psychologisierung des Sünden« und Erlösungsbegriffes, die Verf. gut und kenntnisreich herausarbeitet, ver« führen in der Tat dazu, die Theologie Philos einmal anthropologisch zu betrachten, wenngleich kein Beitrag zur Philoforschung — grundsätzlich nicht — der Religionsgeschichte entraten sollte. ★ 3. Dieser Versuch ist auch bereits in der zeitlich, etwas früheren Arbeit von G. Kühl mann unternommen worden, der im Interesse einer neuen Paulusinterpretation die ״Theologia naturalis bei Philon und bei Paulus“ untersucht. Entsprechend ihrer tatsächlichen Bedeutung ist diese Arbeit längst nicht genügend in der theologischen Fachpresse gewürdigt worden. Die eigenwillige Diktion des Buches verrät die Nähe der modernen Existen« zialphilosophie — wenn ich nicht irre — Griesebachscher Prägung. Bei der Lektüre fühlt man sich stark an die historischen Versuche der Heidegger« schüler erinnert; die Vergewaltigung Augustins durch H. Jonas, Luthers durch G. Jacob usw. Auch Philon kommt in den Kategorien der Existenzial« Philosophie von heute nicht so zu Worte, daß sein Anliegen richtig ver« standen wird. Immerhin verlohnt die unbekümmerte Kühnheit der Dar« Stellung den Erfolg, denn die gewonnenen Einsichten sind trotz des sprach« liehen Barocks oft verblüffend. Referent muß zugeben, daß ihm an Kühl« manns Arbeit vorher nicht geahnte Konsequenzen auf gegangen sind, die sich für den Aufbau einer jüdischen Theologie aus der konsequenten Anwendung des Satzes creatio ex niihilo und ex nihilo nihil fit ergeben können. Kuhlmanns Gedankengang ist folgender: ״Gott als Begriff von Wirk« samkeit überhaupt, als Anfang des Handelns, ruft das Nichtseiende ins Da« sein. Der Betrachter des Geschaffenen schließt auf den Schöpfer“ (S. 17 f.) Der Mensch hat nun kraft seines Geistes (N o u s) die Möglichkeit zur er« kennen, daß die Welt Schöpfung ist. ״Das geschieht, wenn der Nousi den Pfad der Tugend betritt“ (de migratione Abrahami 128). Gläubig ist ein Mensch, wenn er ״durchschaut die Begrenztheit aller selbstischen Gründe des Seins und entdeckt den echten Grund des Geschöpfseins in Gott“ (S. 26). Der Glaube an Gott den Schöpfer ״bringt die Zeitlichkeit des Kosmos, nicht seine ewige Macht, sondern seine Begrenztheit zur Anzeige Als zeitliches Sein lebt der Kosmos nicht aus sich selbst, sondern von Gnaden einer creatio ex nihilo“ (S. 31). Allein im Bekenntnis zum Ursprung seines Seins aus Gott ergreift der Mensch das Angebot seines Lebens, ״gut zu sein“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.