Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rund um Philo [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 3)
- Language
- German
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Rund um Philo 271 führt diesen zur vollendeten Gnosis, in der sich seine besondere Erwählung־ erfüllt.-Peiskers Dissertation, zu deren vollständiger Beurteilung erst: noch die Analyse der pistis Abrahams im Druck vorliegen müßte, unter« läßt es, die Ergebnisse seiner Interpretation für die Erkenntnis der Theologie Phiions selbständig 'auszuwerten. Sauberkeit und Besonnenheit seiner Begriffsanalyse aber sind zu loben. ★ 2. Dies gilt auch von der umfangreichen Untersuchung W. Knuths, die durch Gewandtheit und Lebendigkeit der Sprache auffällt. Knuth untersucht zuerst den Ursprung der Sünde im Sündenproblem bei Philon in ständiger Vergleichung mit der rabbinischen Lehr« und Begriffs« weit. Das Ergebnis lautet: Eine aktuelle Sündhaftigkeit (Erbsünde) ist in den Menschen bei seiner Geburt nicht hineingelegt, aber in seiner Natur (Aisthesis) liegt der Hang, die latente Möglichkeit des Siündigens aktuell werden zu lassen, was in dieser Fassung der repräsentativen jüdischen Lehr« meinung aller Zeiten auch entsprechen dürfte. Richtig wird gesehen, daß Phiions Interesse an diesem Problem eher physiologisch«psychologisch orientiert ist denn metaphysisch. Als "Wesen der Sünde unterscheidet Philon individual-ethische, sozialethische und kultisch«sakramentale Sünden. Knuth weist m. E. zu recht nach, daß letztere erst sekundäre Folge ist, die das ethische Vergehen symbolisiert. Die Versündigung׳ aber — und das ist gut jüdisch bei Philo, daß sie in den Bereich des Handelns fällt und nicht schon vorgängig im Sein steckt — bedeutet normwidriges Handeln und Begehren. Norm aber ist die Thora als Gottessatzung, die sich auf das Verhalten gegen Gott wie gegen Menschen bezieht, aber die Verfehlungen gegen letztere mittel« bar als Verfehlung gegen Gott ansieht. So heißt es! im Einklang mit aller jüdischen Tradition bei Philo: ״Wenn jemand einen Menschen getötet hat, so bezeichnet man das zwar (nur) als Menschenmord, dem wirklichen Tat« bestände nach aber ist es ein Frevel am Heiligtum, und :zwar der denkbar schlimmste; denn von allem Wertvollen und Kostbaren im Weltall ist nichts heiliger und Gott mehr ähnlich als der Mensch“ (spec. leg. HI, 83). Während nun aber die Rabbinen im objektiven Normverstoß das Wesen der Versün« digung erblicken, was beim Verfolg fast jeder talmudischen Diskussion deut« lieh wird, überwiegt für den an der Stoa und ihrem Tugendbegriff orien« tierten Philo eine subjektivistische Auffassung der Sünde, die sie als Aus« druck für die innere Zwiespältigkeit des Menschen ansieht, die fast psychotherapeutisch als ״Seelenkrankheit“ gefaßt wird. Demgemäß vermengt Philo auch in der Frage der Erlösung von der Sünde griechische und jüdische Elemente, was in seiner disparaten Logoslehre, über die schon viel gehandelt worden ist, zum Ausdruck kommt. Das summum bonum ist für ihn, wie ich es ausdrücken möchte, weniger die jüdische zedaka als die stoische atäraxia, wiewohl er formal die ״Frömmigkeit“ wiederholt als oberste der Tugenden angibt (z. B. de Abrahamo 60). Hier in der Frage jüdischer Modi« fizierung des hellenistischen Materials läßt die vorliegende Arbeit noch manche Lücke offen. Aber zweifellos richtig erkannt ist der synkre«