Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rund um Philo [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
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270 Hans Joachim Schoeps wenden konnte. Mit Recht hat Heinemann an den Beginn seines Philohuches den programmatischen Satz gestellt: ״Wie aber die Beurteilung seiner theo« logischen Leistung erst möglich ist, wenn wir viel genauer, als z. Zt. erkannt ist, wissen, Was er Anderen schuldet, so setzt auch, die kritische Verwendung seines Zeugnisses eine deutlichere Kenntnis seines Verhältnisses zur jüdisehen und zur heidnischen Umwelt voraus als wir sie einstweilen besitzen4". (S. 5.) Leider haben die drei neueren Arbeiten, die hier vornehmlich zu beurteilen sind, von dem. umfangreichen kulturvergleichenden Material, das Heinemann verarbeitet hat, nicht den genügenden Gebrauch gemacht und zuvor alles das, was ihnen im Lehrgebäude des großen Synkretisten Philo als jüdisch galt, an Hand der Heinemannschen Arbeit (und über diese hin״ aus) auf seine jüdische Rechtmäßigkeit untersucht. Allerdings haben auch alle diese Arbeiten kein kultur״ und religionsgesichichtliches Anliegen mehr, sondern wollen jeder nach anderen Gesichtspunkten theologische Fragestellungen erörtern. So schreibt Kahl mann, dessen Arbeit wohl! die größte Bedeutung zukommt: ״Die Frage nach dem sachlichen Gehalte soll in einer konkreten Argumentation dartun, daß die reliigionsgeschichtliche Diagnose an den Punkt führt, wo das Problem einer Grund-Interpretation beginnt.44 (S7 .׳.) Alle drei Forscher sind christliche Theologen; da aber ihre Arbeiten sich auf immanente Interpretation Phiionischer Glaubenslehre beschränken, bieten sie der jüdischen Theologie wichtiges Material für eine noch ausstehende Untersuchung der originalen Leistung Philos, ob und inwieweit er über Zeit und Umwelt des hellenistischen Judentums hinaus — also auch heute noch übernehmbar — jüdische Glaubenslehre ins System gebracht hat. 1. M. Peisker, der hauptsächlich an Moses und Abraham den G l a u! b e n s b e g r i f f Philos darstellen will, geht davon aus, daß der Lehrsatz — auch Titel einer phiionischen Schrift — ״guod deus sit immutabilis44 die beste Definition für die pistis theou Phiions ist44 (S. 9). Die ״Festigkeit4' Gottes ist das, was sich auf seine Auserwählten überträgt. Daher werden Moses und Abraham bei Philon p i s t o ä! genannt, womit für Philon der Sinn von Beständigkeit, Festhalten an Treue, der im hebräischen Stamm אמן steckt, wiedergegeben ist. Und Moses wird unter Bezug auf Num 127 die höchste Stufe der Beständigkeit, das ״Herrschen44 im Glauben zuerkannt. Was aber von seiten Gottes her ״pistis44 heißt, daß ein Mensch herausgerufen wird —״Stelle dich neben mich44 Deut 531 —, ist von seiten des Menschen her ״ekstasis44. Und der Ekstase ist Moses mithin im. höchsten Grade gewürdigt worden, der unter Menschen vorgekommen ist. Der Jude Philon achtet aber argwöhnisch darauf, daß dem, Hellenisten Philon pistis und ekstasis n i c h t zur gno׳sis werden. Denn die vollendete Erkenntnis Gottes würde die Endlichkeit des Menschen und1 der Welt aufheben und den Unterschied durchbrechen, den Gott gemacht hat ״zwischen sich, dem ewig Unveränderlichen und der Schöpfung, die da schwankt und zwischen den Gegensätzen hin und her schwingt44 (leg. all. 1. II 83). Erst der ungewöhnliehe Tod dieses ״größten und vollkommensten Menschen44 (de vita Mpsis 11)