Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die nationalitätenrechtliche Stellung der Juden in den russischen und österreichischen Nachfolgestaaten während der Weltkriegsepoche
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 18)
- Language
- German
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234 Kurt Stillschweig־ diese Äußerung. Auf das im jüdischen Nationalismus enthaltene ״moralische Moment“, so betonte er, sei ״das größte Gewicht“ zu legen78. Auch Benesch stand der Forderung nach nationaljüdischer Anerkennung mit Sympathie gegenüber79. III. Man sieht also, daß die Motive, die zur Anerkennung oder Ablehnung der national jüdischen Postulate führten, aus den verschiedensten Komponenten bestanden. Sie in allen Nachfolgestaaten im einzelnen aufzuzeigen, ist nicht erfOrderlieh, da in anderen Fällen die Grundhaltung der Mehrheit-s- Völker kaum neue Linien ergibt, sondern nur durch die konkreten Verhältnisse jeweils lokal variiert wird. Wir wenden uns deshalb der Betrachtung des eigentlichen Anerkennungsaktes zu, d. h. wir prüfen die Frage, in welcher formalen Gestaltung die Anerkennung der jüdischen Nationalität zum Ausdruck kam. C II. I. Die Anerkennung der jüdischen Nationalität durch die Mehrheitsvölker hat in der Regel drei Stadien durchlaufen. Sie ist vor Konstituierung der neuen Staaten verheißen, bei oder nach der Konstituierung als Programm für die Gesetzgebung wiederholt und schließlich in unmittelbar verbindlichen Rechtsnormen niedergelegt oder durch administrative Akte durchgeführt worden. 1. Beispielsweise vor Konstituierung des litauischen Staates bildeten sich in Petersburg zwei national-litauische Organisationen: ein Nationalrat und ein Landtag (14. Juni 1917). Beide Gremien erließen an die Vertreter der in Litauen siedelnden Minderheiten Einladungen, die von den Polen und Weißrussen abgelehnt wurden, da diese Gruppen bei der damaligen Ungeklärtheit der allgemeinen politischen Lage eine fruchtbringende Zusammenarbeit für ausgeschlossen hielten. Unter den Juden waren die Auffassungen geteilt80. Die einen vertraten den gleichen Standpunkt wie die Polen und Weißrussen, die anderen plädierten für Kooperation. Die Verfechter der letzteren Ansicht entsandten schließlich vier Ver- 78 J. R. 1919, S. 368. 79 Vgl. Janowsky S. 331. 80 Vgl. J. R. 1917, S. 184.