Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Wer veranlaßte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit?
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 21)
- Language
- German
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Wer veranlaßte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit? 165 die Wahrung des Sabbat nicht immer aufrecht zu erhalten45. Neben denjenigen Juden, die sich dem Willen des Königs fügten, gab es daher in Jerusalem zweifellos sehr viele, die Widerstand leisteten, und schwerlich nur passiven. I M schweigt davon, aus gleichem Grunde wie vom Abfall Jerusalems (Bi. 167!); aber es läßt sich denken, daß die Aufnahme, welche die erste Verfügung in Jerusalem fand, den König schwer gereizt hat. Den juristischen Anspruch auf Schutz ihrer Religion hatten clie Juden um Jerusalem bereits durch ihren Abfall verwirkt; aber erst jetzt stellt Epiphanes die einst von ihm geschützte, nach dem Abfall noch geduldete Religion wegen grundsätzlicher Verweigerung der ״kultischen Bürgerpflicht“45*1 unter Strafe. War vorher sogar das Züchten von Schweinen in Jerusalem verboten, so verfügt er nun das Darbringen von Schweinen auf dem Altar, wiewohl weder im Dienst des Zeus Olympios noch im allgemeinen in den Kulten der von ihm in Jerusalem angesiedelten Syrer das Schweineopfer üblich war, um dadurch die Aufhebung des jüdischen Ritus zu bekunden. Denn daß der König seine kulturpolitisehen Maßregeln nicht nur, wie wir wissen, mit Geduld, sondern bisweilen recht gewaltsam durchzusetzen suchte, zeigt auch sein Verhalten gegen gewisse heidnische Tempel (Bi. 90). Ein weiteres Motiv kennen wir aus dem syrischen Bericht (S. 152). Danach hat der König bei allen Völkern ״inhumanes Verhalten“46 gehaßt und deshalb ״die inhumanen und unmo- 45 II M 67. Epiphanes ist der erste Seleukid'e, für den monatliche Geburtstagsfeiern bezeugt sind: Schürer, ZNW. II 1901, 49 ff 45a׳ Mit dem gleichen Motiv rechnet III M 321 f., dessen Vf. über die Denkweise alexandrinischer Judengegner Bescheid wissen mußte. Vgl. über« dies Ed. Meyer Urspr. III 513 über die Motive der Christenverfolgungen; besonders wichtig ist, daß der Statthalter nicht nur Leistung des Kultus, sondern auch Verfluchung Jesu verlangt; dem entspricht bei Epiphanes die Forderung des Genusses von Schweinefleisch. Wilamowitz, Kaiser Marcus (1931) 6 findet das Vorgehen gegen die Christen wegen ihrer ״Auf« lehnung gegen die religiöse Bürgerpflicht“ berechtigt; uns genügt die Fest- Stellung, daß ein solches Verfahren aus antiker Denkweise erklär Lieh ist und daß die Toleranz antiker Religionen hier ihre Schranke fand 46 MiaavtlpomV. bedeutet hier etwas anderes als bei Moliere. Es ist Gegensatz zu׳ cpikavfrpüma, jenem Begriff also, den die Römer etwas später mit humanitas wiedergeben; in ihm fließen Menschheitsgedanke und Mensch«