Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Wer veranlaßte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit?
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 16)
- Language
- German
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160 Isaak Heinemann 2. Welches waren aber die Motive des Antiocbos? Daß er auf die Einflüsterungen des Menelaos nicht viel gab (wenn er ihn natürlich audi militärisch gegen Iason in Schutz nahm), zeigt die Fortnahme des Tempels (Bi. 76); daran hatte Menelaos kein Interesse, der, solange er gut zahlte, in jedem Falle hoffen durfte, oberster Funktionär des Tempels zu bleiben. Trotzdem, meint Bi., kann kein anderer als Menelaos an dem Glaubenszwang schuld sein. Denn nur so erkläre sich dessen zeitliche und räumlidie Begrenzung: niemals sonst sind Juden zu heidnischer Gottes Verehrung, also zu einer ״neuen Religion“, gezwungen worden; und Antiochos hat weder die Speisegesetze der Syrer angetastet, noch nach Bi. die Juden außerhalb des dem Menelaos unterstellten Bezirkes behelligt. Überdies hatte er, schon als Epikureer, an der Kultusform seiner Untertanen kein Interesse. In Wahrheit ist der Glaubenszwang auch außerhalb des Amtsbereiches des Menelaos und auch nach dem Untergang seiner Bestrebungen mindestens stark erwogen worden; Motive und Quietive der Durchführung sind gerade bei einem Manne wie Epiphanes durchaus verständlich. Einen Versuch, sein Vorgehen zu motivieren, kennen wir bereits aus Jos. B. I 34. Danach trieb den König maßlose Erbitterung und Zorn über die Leiden während der Belagerung. In der Tat ist ja Epiphanes zweifellos eine leidenschaftliche und auch launenhafte Persönlichkeit gewesen. Ein Mann, der zwar aus Finanznot ״die meisten Tempel brandschatzte68, aber wenn er bei Kasse war, durch seine Festlichkeiten das römische Weltreich zu überbieten suchte, nicht nur sein Geld je nach Laune mit vollen Händen unter die Leute warf32, sondern auch zwei Städte zu ihrem größten Mißvergnügen einer Kebse zum Geschenk machte (Bi. 51, 4) — ein solcher Mann hat sich auch bei seinem Verhalten gegen eine abgefallene Stadt gewiß nicht nur von vernünftigen Erwägungen leiten lassen, zumal in einem Augenblick, da er erheblichen Ärger 32 Die Schilderung des Polybios, der nicht recht weiß, ob er den ,ETcupavyj; nicht besser nennen sollte, ist oft. wiedergegeben worden; z. B. bei Ed. M!e yer, Ursprung usw. II 142 und Dessau, Geschichte der römischen Kaiserzeit II 738.