Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 3 · p. Seite 158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 3
Article
Wer veranlaßte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit?
Date
1938-01-01
Page
Seite 158 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2830031-2830035-2841202--55284-2841244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

158 Isaak Heinemann Ägypten übliche Beschneidung der Mädchen zugeschrieben! Daß Juden des Altertums Beschneidung und Speisegesetze für nachmosaish gehalten hätten, ist völlig ausgeschlossen. Im übrigen wären die jüdischen Hellenisten, wenn sie die Verantwortung für die Revolution des Epiphanes trügen, sonderbare Schüler ihrer Meister. Sie haben, wie Bi. wiederholt versichert, den Monotheismus und die Bildlosigkeit der Gottheit aufgegeben. Aber eben in diesen beiden Zügen lag doch das unterscheidende Merkmal der ursprünglichen mosaisehen Religion und zugleich der große Vorzug des Judentums — nicht nur nach Hekataios und Poseidonios; selbst der grimmige Judenfeind Tacitus wird wider Willen warm, wenn er Hist. V 5 schreibt: die Juden erkennen die Gottheit als einzig, nur mit dem Geiste; als unfromm gilt, wer Götterbilder aus vergänglichem Stoff in Menschenform gestaltet... keine Bilder stellen sie in ihren Städten, geschweige Tempeln auf; auch nicht zur Schmeichelei für Könige, zur Ehre für die Kaiser. Ganz allgemein wird man aber davor warnen müssen, den äußerlich hellenisierten Orientalen eine zu weitgehende Kenntnis griechischer Wissenschaft zuzutrauen. Das böse Wort Strabons 301, daß die hellenische Kultur auf die Naturvölker meist nur zersetzend gewirkt hat, ״Luxus und Raffinement verbreitend66, hat ebenso seine Berechtigung26 wie moderne Klagen über gewisse Folgen der Europaisierung der Primitiven. Künstler (und ״Künstlerinnen66) ließen sich manche Fürsten des Orients, schon vor Alexander27, aus Griechenland kommen; das war ja nur eine Geldfrage; die Wissenshaft dagegen hat nur in einzelnen Kulturzentren eine den Tempelkult ausübten, keine Allegoristen waren). Sogar Josephus, der in griechischen Historikern etwas besser Bescheid wußte als Philon, wirft Ap. II 79 den Poseidonios mit einem scharfen Antisemiten, wie Apollonios Molon, in einen Topf — offenbar auf Grund eines ״ungenauen“ Berichtes des Apion über die Anklagen der Räte des Sid'etes. Vgl. auch über die Nichtbenutzung des Poseidonios bei den jüdischen Hellenisten Heine« mann RE. XVI 371 f. und über die geringe Vertrautheit des vorchrist« liehen Heidentums mit der LXX RE. Sppl. V 23. 28 Einiges bei Wach in: Festschrift für Ludwig Klages 1933, 242ff. 27 Vgl. Fiehn, RE. IV A 273 unter Straton.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.