Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Wer veranlaßte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit?
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2830031-2830035-2841202--55283-2841243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wer veranlaEte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit? 157 den Völkern gleich sein, also namentlich die von diesen beanstandeten Gesetze, Beschneidung und Speisevorschriften, abschaffen wollten, nicht nur für sich, sondern auch für alle Juden, — 2) daß nach ihnen die ״Absonderung46 erst zu einer bestimmten Zeit eingeführt wurde, also im alten Judentum weder die Beschneidung noch die Speisegesetze in Übung gewesen sein sollen. Eben diese Lehre vom naclimosaischen Ur- Sprung des Ritualgesetzes vertrat aber nach Bi. ״die griechische Wissenschaft“. Die Reformer wollten also das Judentum zwrnr nicht auf heben, aber in die Weltkultur einfügen und zugleich den Ergebnissen der Wissenschaft Rechnung tragen, durch Rückkehr zum ״ursprünglichen, von jeder Entstellung freien Gottesdienst44, genau wie die Reformer vor 100 Jahren (Bi. 132). In der Tat konnte die Lehre vom nachmosaischen Ursprung dieser Vorschriften leicht zu Radikalismus und Unduldsamkeit führen — wenn sie Menschen des 2. Jahrhunderts bekannt war. In Wahrheit ist diese Lehre zum erstenmal bezeugt für Poseidonios, der erst 30 Jahre nach Beginn des Glaubens- Zwanges geboren wurde. Und sie steht, wie aus den von Bi. 130 f. angeführten Untersuchungen hervorgeht, mit seinem persönlichen Geschichtsbild derart in Zusammenhang, daß wir nicht befugt sind, sie für einen anonymen Vorgänger vorauszusetzen. Weit eher ist anzunehmen, daß griechische Beurteiler im 2. Jahrh. denselben Eindruck hatten, wie Hekataios von Abdera im 3.: daß sich nämlich allmählich nicht eine Verfestigung, sondern eine Lockerung der altjüdischen Sitte vollzogen habe24. Überdies ist diese Lehre des Poseidonios auch auf solche Juden, die ihn kannten, wie Philon und Josephus, ohne jeden Eindruck geblieben, da sie nicht, wie die verwandte Lehre Wellhausens, auf Kritik an der Bibel, sondern einfach auf Unkenntnis beruhte25. Hat er doch den Juden die in 24 Am Schluß des großen Fragments bei Diodor XL 3: xaxa uaispov Y&v&11iva<; sicupaxeiac ex xyj<; t&v aXko(.pöktov s7ü1p.t£1a<; ״ . . izoXka to>v icaxpttüv toTc; ’loüBoa'oi; votu'tuov exivyjfto]. 25 Gegen. Bi. 13L Was er über Verflüchtigung der Gesetze bei Philon schreibt, hat mit Poseidonios, einem grundsätzlichen Gegner der Allego״ ristik, nichts zu tun (abgesehen davon, daß Iason und Menelaos, die doch