Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Wer veranlaßte den Glaubenszwang der Makkabäerzeit?
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Isaak Heinemann Licht werfen. Besonders ist Bickermann zu danken, daß er mit Hilfe seiner ausgezeichneten Kenntnis des antiken Rechts- und Urkundenwesens die Echtheit einer Reihe wichtiger Urkünden bewiesen hat. Seine Grundanschauung halte ich allerdings für irrig. Ich glaube, daß man seither den Anteil der jüdischen Hellenisten an der Hellenisierungspolitik des Antiochos eher zu hoch als zu gering eingeschätzt hat. Aber seine Arbeiten haben die Forschung auf eine neue Grundlage gestellt und können daher zum Ausgangspunkt dienen für eine erneute Prüfung der Frage, wer den Glaubenszwang verursacht hat und welches die Motive der jüdischen und der nichtjüdischen ״Reformatoren‘0 gewesen sind. I. Die Aussage der Überlieferung. Soweit die Überlieferung den Hergang vollständig berichtet, unterscheidet sie unzweideutig3 zwischen kulturpolitischen Maßnahmen des Iason, welche scharf gegen die jüdische Volkssitte, aber nur in begrenztem Umfang gegen das jüdische Religionsgesetz verstoßen, und Verfügungen des Epiphanes, welche bewußt die Beseitigung der jüdischen Religion anstreben. Die Reform der jüdischen Hellenisten wird man besser als nach ihrem allgemeinen Programm (auf welches wir zurückkommen), nach den Maßnahmen beurteilen, welche ihnen zugeschrieben werden. Daß unter ihnen eine religiös so unverlängliche Neuerung steht, wie die Einführung des griechischen Hutes, ist bezeichnend4 und beweist, daß es ihnen vor allem auf eine Modernisierung der Lebensführung ankam, die, wie auch später seit Peter dem Großen nicht selten, mit der Kleidüng begann. Auch die Einführung des Gymnasion ist nicht, wie Bi. 63 meint, ״nach dem jüdischen Gesetz verpönt66. Der Jude wird an ihr gewiß noch stärkeren Anstoß genommen 3 Bei Wellhausen, Nachr. Gott. Ges. 1905, 131; Eduard Meyer, Ursprung־ und Anfänge des Christentums II 144; Bi. 89 tritt das Wesen des Unterschiedes nicht deutlich genug hervor. 4 Ebenso wie die ganz unbegründete Streichung der Worte utco Tcsxaaov II M 412 in Bevenots Kommentar (1931), die offenbar darauf beruht, daß der Verfasser den Hellenisten nur antireligiöse Motive zutraut.