Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Neuerscheinungen über französisch-jüdische Beziehungen in Sprache und Schrifttum [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 10)
- Language
- German
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Besprechungen 139 religion des Juifs, für die Lehren wieder Bracker, Historia critica philo״ sophiae. Man ist verblüfft von der ungeheuren Weite der Kenntnisse Diderots. Sänger sammelt und sichtet die Äußerungen Diderots über Jüdisches; ferner weist er auf die unmittelbaren Quellen Diderots hin (na״ mentlich nach Cru und Ducros), endlich geht er den jüdischen Urquellen nach, Hier fand er keine Vorarbeiten. Er wird auch dieser Aufgabe gerecht. S. 26, Anm. 37, S. 27, Anm. 42 wundert sich Sänger, daß Diderot von 23 000 Opfern der Rache Mosis spricht, wo doch Ex 3228 nur 3000 angegeben werden. Diderot mag wohl an Num 259 gedacht haben, wo die Zahl der Opfer 24 000 beträgt. — S. 43, Anm. 48 wird Mischna Jadajim IV, 6 ange״ führt als stünde dort, daß Qohelet, Hohelied, Pr overbien die Hände ver״ unreinigten; in Wirklichkeit wird dort als Eigenheit aller heiligen Bücher bestimmt, daß sie — eben wegen ihrer Heiligkeit — die Hände verunrei״ nigen. — S. 44, Anm. 49 wird סכל הירושה als Tradition der Karäer gedeutet, — im Gegenteil — so benennen die Karaiten die ״erbliche Belastung"' der Rabbaniten. — S. 60, 61, Anm. 128 führt Sänger aus Diderot eine ergötz« liehe Anekdote an: ״Pirgandicus, ein sonst unbekannter König, lädt 11 Ge״ lehrte zum Essen; vor die Wahl gestellt, Schweinefleisch zu essen, mit heid״ nischen Frauen zu verkehren, oder den Götzen geweihten Wein zu trinken, wählen sie das letzte ... Im Weinrausch aber übertreten sie dann noch .die beiden andern Verbote“. — In diesem Pirgandicus erkenne ich den König Federico, von dem der altitalienische Novellino eine Reihe von Anekdoten zu erzählen weiß, von dem die bei Diderot angeführte Geschichte in Luzzatos כפתור ופרח zu lesen ist, von wo sie ins Maassehbuch aufgenommen worden ist. (S. Heller in Gasters Anniversary Volume 237.) — S. 61, Anm. 128. Sänger führt aus Diderot an: ״Eleasar sagt zu seinen Schülern auf dem Totenbett: Wendet eure Kinder ab vom Studium der Bibel und bringt sie zu den Füßen der Weisen“ (?). Sängers Fragezeichen läßt sich leicht beseitigen. Es geht dies auf Berachot 28b, wo Eliezer lehrt: ומנעו בניכם מן ההגיון והשיבום בין ברכי תלמידי חכמים haltet eure Kinder vom dumpfen Hinbrüten1 ab, sondern übergebet sie den Lehrern. Ebenda: ״Von einem Vorkommen der Lazarus״Legende im talmudischen Schrifttum berichtet Strack ״ Billerbeck nichts.“ Doch Greßmanns herrliche Arbeit, Vom reichen Mann und armen Lazarus (Abhandlungen Akad. Berlin 1918 Nr. 7) behandelt auch eine Reihe jüdischer Parallelen. — S. 72, Anm. 173. Für die Behauptung, Maimuni habe sich im Alter zur Kabbala bekehrt, gibt Sänger keine Quelle an. Diese kühne Sage ist im Schal״ schelet hakkabbala verzeichnet, wurzelt in älterer Legende und ist auch ins Maassebuch eingedrungen: Gaster, Exempla 365, Gulkowitsch, Das Wesen der maimunidischen Lehre 1935 — S. 61, Anm. 2. — Auch für die Angabe bei Diderot, ״daß Gott nach Maimonides nur eines bereue, nämlich keinen Unterschied zwischen Guten und Bösen bei der Zerstörung des Tempels gemacht zu haben“ gibt Sänger keine Quelle an. Es wird auf הלכות יסודי התורה X, 4 angespielt, wo wieder auf Sabbat 55a hingewiesen wird. Hier heißt es aber, Gott habe zwar bei der Zerstörung Jerusalems die