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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 136

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Einige Neuerscheinungen über französisch-jüdische Beziehungen in Sprache und Schrifttum [Rezension]
Date
1938-01-01
Page
Seite 136 (sequence 7)
Language
German
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1B6 Besprechungen Pascals Bild von Israel und Judentum. Seidmanns Nachweis, daß Pascals Bibelerklärung durch seine Anschauung vom Judentum bestimmt wird, erweist sich fruchtbar. Einige Beispiele dieser Tendenz«Exegese: Jes 4912 verheißt, daß Israels Verbannte aus allen Weltgegenden zum Auf־־* bau des Heiligen Landes zurückströmen. Pascal (Pensees 726) biegt dieVer« heißung derart um, daß die (heidnischen) Völker das neue Jerusalem auf« bauen. Die erhabene Verkündigung: ״von Sonnenaufgang bis Sonnen« niedergang ist groß mein Name unter den Völkern und allerorten wird mir reines Opfer dargebracht“ (Maleachi ln) deutet Pascal: das Opfer der Juden ist verworfen, das der Heiden allüberall (gefällig)0. Seidmann (22—29) stellt auch die Reihe der biblischen Gestalten zusammen, deren Bild Pascal zeichnet. Diese Galerie ist zu ergänzen. So mit Sem: Sem hat Lemech gesehen, der Adam gesehen hatte; andererseits sah Sem den Jakob, der wieder diejenigen sah, die Moses sahen, — so sichert Sem die Kette der Überlieferung (Pensees 625). Malkizedek stiftet den Priesterdienst, dem der Messias ewigen Bestand sichert (Pensees 610 und 736). Zu ergänzen auch Esra: Pascal bezeichnet es als Fabel, daß die heiligen Bücher verbrannten und daß Ezra sie auswendig vortrug, als Fabel auch, daß Ezra die Buchstabenschrift änderte. (Pensees 632.) Daß׳ die Bücher verbrannt waren und daß Esra sie, vom himmlischen Kelch er« glühend, aus dem Gedächtnis her stellt, erzählt das IV. Buch Ezra am Schluß. Daß Esra an Stelle der althebräischen Schrift die Quadratschrift einführte, weiß die Aggada. (Sanh. 21b.) Von nachbiblischen jüdischen Schriften kennt und nutzt Pascal be« sonders die Werke des Josephus. Was Pascal von Talmud und Midrasch weiß, scheint er aus einer einzigen Quelle zu schöpfen: aus dem Pugio f i d e i des Dominikaners Raimundus (Seidmann S. 20 nennt ihn Reinhard) Martinus. Bei Zitaten aus Talmud und Midrasch gibt Pascal die Seiten« zahlen des Pugio fidei an. Die eigentlichen Fundstellen wären folgender« maßen festzustellen: Pensees 446, um in der alt jüdischen Auffassung die Erbsünde nachzuweisen, führt eine Reihe aggadischer Stellen über den bösen Trieb an. Sieben Namen führt der böse Trieb — Sukkot 52a. Gott rettet den Armen von seinem Räuber (Ps 3510), — gibt es einen gewaltigeren Räuber als den bösen Trieb? Wenn dein Feind hungert, gib ihm Brot zu essen (Prov. 2521), d. h. wenn dich der böse Trieb, dein schlimmster Feind, bedrängt, reiche ihm das Brot der Tora. — So R. Acha in Bereschit Rabba LIV, 1. — Derselbe R. Acha im Midr. Psalm. IV, 5 ״grollet, doch sündiget nicht“, d. h. bekämpfe deinen Trieb, daß er dich nicht sündigen mache. — ״Eine kleine Stadt wird von einem großen König belagert“ (Qoh. 9, 14), das ist, der Mensch wird vom bösen Trieb bedrängt, ״ein be« scheidener Weiser rettet die Stadt“ (9, 15), das ist der gute Trieb; der böse Trieb heißt König, weil alle Glieder ihm gehorchen, er heißt groß (alt), weil er von Geburt an schon dem Kinde innewohnt. — So Qoh. R. zur 6 Pensees 714 in der Ausgabe von Brunschwigg statt ״lors de Jeru« salem“ zu lesen ״hors de Jerusalem“.^

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