Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Neuerscheinungen über französisch-jüdische Beziehungen in Sprache und Schrifttum [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 6)
- Language
- German
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Besprechungen 135 sondern auch bei Bayle das Bestreben, der durch Descartes entthronten mittelalterlichen Weltanschauung wieder zur Herrschaft zu verhelfen. Er stellt Beide auf eine Linie: ״So kommt Bayle zu dem gleichen Ergebnis wie Pascal: der Widerspruch zwischen Glauben und Vernunft beweist die Ohnmacht der Vernunft". Jedoch welch’ gewaltiger Unterschied! Für Pascal bedeutet Glauben, Christentum granitfeste Gewißheit, fester als alle ver« meintliche Wirklichkeit und Erkenntnis. Hingegen Bayle gelten sie als Möglichkeiten. Auch ihr Verhalten zum Judentum gestaltet sich grund« verschieden. Für Pascal ist das Judentum eine Masse, die in der Erb« sünde verharrt, — nur dazu berufen, den Glauben an die Erlösung zu tragen, ohne ihn zu verstehen. Für Bayle ist das Judentum das Volk, das Duldsamkeit übt, das frei von Aberglauben, richtiger als die Denker, die Gottheit erkannt hat. Ferner erschien: 3. Ludwig Elias Seidmann, Pascal und das Alte Testament. Breslau (Marcus) 1937. RM 5.—. 4. Kalman Zsuzsa, Bayle es az Otestamentum. (Bayle und das A. T., Dissertation), Budapest 1934. 5. Hermann Sänger, Juden und Altes Testament bei Diderot. Wertheim am Main (Wilh. Hinckel) 1933. RM 5.—*. 3. Seidmann versucht nachzuweisen, wie Pascals Bibeldeutung und Pascals Urteil über das Judentum einander gegenseitig erklären. Schon Voltaire hat scharf die innere Zwiespältigkeit in Pascals Anschauung vom Judentum beleuchtet: die Juden sind von Gott verworfen und dennoch sind sie die Träger des wahren Gottgedankens, des Messiasglaubens4 5. Seidmann untersucht eingehend, oft gar weitläufig, vorzüglich auf Grund von Pensees 713, 722, 726 Pascals Übersetzungen zu Gen 49, Jer 712-14, Hosea 1410, Arnos 87-13, Haggai 2, zahlreiche Stellen im Buche Jesaja, das 50. Kapitel (welches er als Schwerstes im Buche bezeichnet), besonders aber das 49., ״die Meisterschöpfung Pascals." Er vergleicht Pascals Übersetzung mit der von Lemaitre de Sacy, mit der Vulgata und mit der heutigen Auf« fassung. Da Pascal in den Juden das von Gott verworfene Volk sieht, muß diese Auffassung vielfach auf seine Bibeldeutung abfärben. Dies nachzu« weisen ist Seidmann gelungen. Doch können wir seine Zielsetzung nicht billigen, ״daß wir seine (Pascals) Übersetzung und Interpretation der Bibel hineinstellen in die theologische und bibelkritische Diskussion des Tages." Wenig angebracht scheinen uns auch die weitläufigen Auseinandersetzungen mit Pascal über die Grundfragen, welche das Christentum vom Judentum scheiden. 4 Manya Lifschitz«Gulden, Les Juifs dans la Litterature fran^aise du Moyen«Age ist mir unzugänglich geblieben. 5 Pascal sagt vom Judentum aus: ״II porte les livres, et les aime, et ne les entend pas", er trägt die Bücher, er liebt sie und er versteht sie nicht!" (Pensees 641.) Muhammed vergleicht die Juden mit einem Esel, der Bücher trägt (Qoran 62r 5). Pascal ist emsig bestrebt, den Qoran zu widerlegen (Pensees 591—601). Er muß ihn also gekannt haben.