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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 128

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
Date
1938-01-01
Page
Seite 128 (sequence 18)
Language
German
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128 Lavoslav Glesinger nisse auf die Tradition allein begründet. Der Hekirn batte u. a. auch für die Medikamente zu sorgen und er selbst mußte sie zubereiten. In Sarajevo gab es jedoch seit jeher Juden, die sich ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von allerlei Gewürzen, Drogen und Medikamenten erwarben. Für die noch heute in Bosnien blühende Volksmedizin sind diese ״bosnischen Apotheken66 (Drogerien) fast unentbehrlich, denn das Volk kann nur hier seine selbstverschriebenen Medikamente beziehen. Levy53, dem wir die Kenntnis von diesen jüdischen Volksapotheken in Bosnien verdanken, veröffentlicht ein höchst interessantes Verzeichnis, das die Namen der Drogen, in gebrochenem Türkisch und Italienisch mit hebräischer Kursivschrift verzeichnet, enthält54. In Deutschland behielten die Beschränkungen, denen die Juden im Apothekergewerbe unterworfen waren, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Geltung: abgesehen von Bayern und Baden waren die Juden in Deutschland ״nach altem Herkommen66 von der Pharmazie ausgeschlossen55. Dasselbe war auch in den ehemals polnischen Provinzen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Fall, wo ein Jude ausnahmsweise zum Apothekerberufe zugelassen wurde, ״so er vorzügliche moralische Eigenschaften durch glaubhafte Zeugnisse darthue, von Ritual Verpflichtungen seiner Religion, besonders vom Nichtarbeiten am Sabbath durch den Rabbiner dispensiert sei und bei der Anlegung einer Apotheke keine Konkurrenz mit einem Christen vorhanden sei, auch an dem Ort, wo er sich etablieren will, bis jetzt keine Apotheke existiert hat6656. Wenn wir von dem ״Juden Isaak, der mit der sogenannten Hallischen Arziney (wahrscheinlich Mixtura acida Halleri) 53 M. Levy: Die SepharcLim in Bosnien. Sarajevo, 1911, S. 75ff. 54 Auch bei den deutschen Juden sind die volkstümlichen Behandlungs« methoden seit jeher sehr verbreitet. Grunwald hat der jüdischen Volks« pharmazie eingehende Studien gewidmet. (״Aus Hausapotheke und Hexen« küche“, Mitt. z. jüd. Volkskunde, H5 .־ und Jahrb. f. jüd. Volkskunde, 1923, S, 178 ff.) 55 Büchner: Repertorium für die Pharmacie. 1845, 88, S. 324. 56 Jacobson: Mosaiksteine zur Kultur« und Sanitätsgeschichte der pbsenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts. ״Menorah“, 1929, Nr. 7/8.

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