Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 17)
- Language
- German
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Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden 127 Nro. 13367. Kundmachung des k. k. illyrischen Landes-Guberniums zu Laibach Ausschließung der Juden von der Ausübung der Apotheker-Gewerbe. Durch einen vorgekommenen speciellen Fall haben sich Se. k. k. Majestät veranlaßt gefunden, mit allerhöchster Entschließung vom 16. May 1829 anzuordnen, daß in Zukunft in sämmtlichen! österreichischen Staaten das Apotheker-Gewerbe nicht mehr unter die den Juden zur Ausübung gestatteten Gewerbe gezählt werde. Diese allerhöchste Entschließung wird hiermit in Folge des eingelangten hohen Hofkanzley Decretes vom 26. v. M. Zahl 11804 zu Jedermanns Wissenschaft und Dornachachtung allgemein kund gemacht. Laibach den 20. Juny 1829. Joseph Camillo Freyherr v. Schmidburg Landes-Gouverneur. Leopold Graf v. Welsersheim k. k. Gubernialrath. Erst im Jahre 1860 wurden in Österreich Juden zum Apothekerberufe zugelassen. In Rußland gab es trotz der Judenverfolgungen nicht nur jüdische Provisoren, sondern z. B. in Petersburg waren im Jahre 1879 unter 52 Apotheken 11 Apotheken im Besitz von Juden. In einer Zuschrift aus Odessa aus dem Jahre 1838 heißt es: ״Nie trägt man Bedenken, einem Israeliten dieWürde und die Rechte eines Apothekers zu ertheilen, denn unser Aeskulap kennt keinen Religionsunterschied unter seinen Jüngern, und keinem Russen käme es in den Sinn, den Juden für einen Giftmischer zu halten .... Wer sich unter den Israeliten den Doctorgrad oder den Titel eines Apothekers erworben hat, erhält den Rang eines Ehrenbürgers für sich und seine Nachkommen, wer Arzt, Candidat und im pharmazeutischen Fache Provisor ist, wird persönlicher Ehrenbürger6652. Interessant ist der jüdische Einfluß im Apothekerwesen Bosniens. Hier lag die Arzneikunde im 19. Jahrhundert fast ausschließlich in den Händen der Juden. Die landesüblichen Ärzte (Hekim, Hecim) lernten vielleicht anfangs aus hebräisehen, lateinischen oder gar arabischen Fachschriften, später aber — Anfangs des 19. Jahrhunderts — waren die Kennt- 52 Allgemeine Zeitung des Judentums, 1838, Nr. 76.