Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2830031-2830034-2841107--55241-2841175- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden 125 Audi in Amsterdam gab es bereits im 17. Jahrhundert jüdische Apotheker, die dem Collegium medicum unterstellt waren. Im Jahre 1667 wurde ihnen verboten, Medikamente an Christen zu verkaufen und außerdem wurden sie verpflichtet, sich an das Dispensatorium zu halten. So kam es zur Gründung einer jüdischen Apothekergilde. Der Amsterdamer Magistrat vertrat immer die Rechte der jüdischen Apotheker, was besonders in einer Verordnung vom Jahre 1711 zum Ausdruck kommt, derzufolge die jüdischen Apotheker den christlichen in Rechten und Pflichten vollkommen gleichgestellt wurden46. Im Jahre 1705 wendet sich Joseph Abraham Charleville an das Collegium medicum mit der Bitte, man möge seinem Sohne Philipp gestatten, bei einem christlichen Apotheker in die Lehre zu gehen. Die Inspektoren des Collegium medicum waren in Verlegenheit, weil so ein Fall bisher noch nicht vorgekommen war. Sie wandten sich an den Magistrat, der sich zugunsten Charlevilles äußerte. Drei Jahre später eröffnete Philipp Charleville seine Apotheke in einem Keller beim portugiesischen Tempel. Er war der erste Jude, der die Apothekerprüfung in Holland abgelegt hat. Im Jahre 1711 legten weitere vier Juden die Apothekerprüfung ab: Jacob de Castro, Naftali Asser, Navarro und Mordechaj Abeneka. Sie bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil und umfaßte u. a. auch die lateinische Sprache und die Herstellung von Medikamenten. Zwischen 1721 und 1788 diplomierten in Amsterdam 9 jüdische Apotheker u. zw.: Nathan Sarphati (1721), Isaac Lopes da Silva (1729), Abraham Gomes da Silva (1729), Salomon Gomes Soares (1756), Samuel Benevento einherschreitet, trägt ״ein schwartz Kleid und grün Vortüchel und ein silberne Balsambuchs in der Hand"'. Auch, im Festzug von 1741, anläßlich der Geburt Kaiser Josephs, ging neben dem Doktor ״der Apothekerssohn mit der jüdischen Apothekerbüchse". (Siehe auch Kisch: Der erste in Deutschland! promovierte Jude. MGWJ., 1934, S. 350.) — Die Balsambüchse ist das Synu bol des Apothekerberufes, ebenso wie der Mörser, der auf einigen Grab« steinen des Prager jüdischen Friedhofes zu finden ist. (Siehe Hock: Die Familien Prags. S. 22.) 46 Cohen: De vroegere Amsterdamsche joodsche Apothekers. (Pharm. Weekblad, 1931, Nr. 48.) '