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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 123

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
Date
1938-01-01
Page
Seite 123 (sequence 13)
Language
German
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Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden 123 liehe Kreise. Nach seinem Märtyrertode (1663) übernahm sein Sohn Michael die Apotheke40. Auch in Italien übten jüdische Apotheker lange Zeit ungestört ihren Beruf aus. Hier gelangte der jüdische Arzt Amatus Lusitanus (1511—1568) zu großen Würden (er war Professor der Medizin zu Ferrara und behandelte u. a. den Papst Julius III.). Amatus Lusitanus war einer der bedeutendsten Ärzte des 16. Jahrhunderts und ein Mann von großer Gelehrsamkeit. Für die Geschichte der Pharmazie von Bedeutung ist vor allem sein Werk, das sich mit der Arzneimittellehre des Dioskorides beschäftigt und das viele selbständige botanische Studien enthält41, eine der bedeutendsten Schriften der älteren pharmazeutischen Literatur. Es enthält 90 Holzschnitte, auf denen die wichtigsten Heilpflanzen dargestellt sind. Bemerkenswert sind nicht nur die pharmakognostischen Beobachtungen, die in diesem Werke zum Ausdruck kommen, sondern ganz besonders die Mitteilungen über die Wirkung von Giften, die zum Teil auf Versuchen mit Verbrechern beruhen42. In Rußland wirkte im 17. Jahrhundert als Lehrer der Pharmazie ein getaufter Jude, Stephan von Gaden, der in Breslau geboren und in Krotoschin bei dem Chirurgen Stanislaus Balsir ausgebildet wurde. Seine Mutter brachte aus türbischer Gefangenschaft 53 Pfd. Chinarinde mit, die ihr mit 53 Rubel bezahlt wurden. Als im Jahre 1673 in Moskau eine neue Apotheke gegründet wurde, stellte der Zar fünf der ältesten Schüler Gadens, der übrigens sein Leibarzt war, in dieser Apotheke an43. In Prag gab es schon im 17. Jahrhundert jüdische Apotheker, die als Inhaber der privilegierten Judenapotheke ihren Beruf ungestört ausüben konnten. Es gab mehrere Apotheker- 40 Bai ab an: Jüd. Ärzte u. Apotheker aus Italien u. Spanien in Krakau. (In der ״Heimkehr“, Czernowitz, 1912.) — Encyclop. judaica, s. v. Calahorra. 41 In Dioscoridis Anazarbei de medica materia libros quinque ennarrationes eruditissimae. Venedig, 1553 u. ö. 42 Schaer: Geschichte der Pharmakologie und Toxikologie. (In Pusch« manns Handbuch der Geschichte der Medizin. Bd. II, Jena, 1903, S. 577.) . 43 Hermann: Beiträge zur Gesch. der Medizin in Rußland, (״Janus“, 1901, S. 476.) 9*

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