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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 122

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
Date
1938-01-01
Page
Seite 122 (sequence 12)
Language
German
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122 Lavoslav Glesinger Welche Bedeutung dieser Fall erlangt hatte, geht aus der großen Anzahl der Akten hervor, die in dieser Angelegenheit verfaßt wurden (sämtlich im Archiv des Pharmazeutischen Kollegiums zu Nürnberg). Die Schriften enthalten die Klage des Apothekers Tauchwiez, die Bedenken der Ärzte Nürnbergs, die eingeholten Bedenken aus Augsburg, die der medizinischen Fakultät zu Leipzig, die der Universität Jena, ferner einen Bericht an den Vizekammermeister und Rat zu Ansbach, ein Schreiben aus Wien an den Nürnberger Apotheker Canut Leinker, die Klage und eine Denkschrift an den Domprobst zu Bamberg und schließlich den endgültigen Bambergischen Gegenbericht mit dem Urteilsspruch. In anderen Ländern hatten es die jüdischen Apotheker* leichter. In Polen z. B., wo schon im 16. Jahrhundert ein geregeltes jüdisches Gemeindewesen bestand, wurde in das Tätigkeitsgebiet der Gemeinden auch das Gesundheitswesen einbezogen. Es gab fast in jeder Gemeinde jüdische Ärzte, Apotheker, Krankenwärter, Hebammen und sonstiges Krankenpflegepersonal, das sowohl in den Spitälern wie auch in der Privatpflege tätig war38. So konnten also die jüdischen Apotheker in Polen, wenn auch nur im engen Rahmen der jüdischen Gemeinden, eine nützliche Tätigkeit entfalten. Zu hohem Ansehen brachte es z. B. die Familie Calahorra, die durch drei Generationen Besitzer der Apotheke in der Judenstadt am Kasimierz bei Krakau war. Auch zahlreiche bedeutende Ärzte entstammten dieser Familie, deren Stammvater Salomo ein Schüler des berühmten Musa Brassavola in Ferrara war39. Ein Nachkomme Salomos, David Calahorra, war Apotheker und lieferte den Armen der Krakauer Gemeinde Arzneien. Dafür und für seine Betreuung der Kranken im Spital erhielt er im Jahre 1635 114 Fl. und in den Jahren 1643—45 150 Fl. jährlich. Von seinen zwei Söhnen übernahm der ältere, Mattitjahu, die väterliche Apotheke. Er betätigte sich auch als Arzt und behandelte auch christliche, selbst geist- 38 Meisl: Geschichte der Juden in Polen und Rußland. Berlin, 1921, Bd. I, S. 241. 30 Kaufmann: Die jüd. Schüler des Ant. Musa Brassavola. (Ges. Schriften, Bd. m S. 279.)

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