Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden
Date
1938-01-01
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2830031-2830034-2841107--55231-2841165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Beiträge zur Geschichte der Pharmazie bei den Juden 115 Besonders wichtig sind die Werke des Maimonides, namentlich seine Schrift über die Gifte und Gegengifte12. Aber auch in seinen übrigen Schriften findet sich recht viel Pharmazeutisches, wie dies Kroner13 seinerzeit nachgewiesen hat. Maimonides kennt eine große Anzahl von Arzneimitteln und kennt auch die Zubereitung des Theriaks14. Letzthin entdeckte Meyerhof15 in der Aya-Sofia-Bibliothek in Konstantinopel ein bisher unbekanntes kleines Werk des Maimonides über die Erklärung der Drogennamen, das die Drogennamen in 5 oder 6 Sprachen, speziell in Altspanisch enthält. Der Zubereitung des Theriaks widmete Maimonides eine eigene Schrift, die von Moses ibn Tibbon unter dem Titel המאמר בתריק ins Hebräische übertragen wurde16. Es ist bemerkenswert, daß der Theriak, eines der berühmtesten Heilmittel der alten Medizin, auch von jüdischen Apothekern hergestellt und von jüdischen Ärzten verordnet wurde, trotz gegenteiliger Annahme, daß den Juden die Anwendung des Theriaks wegen der vorschriftsmäßigen Bei* mengung von Schlangenblut verboten gewesen wäre. Maimonides betont ausdrücklich, daß zur Bereitung des Theriaks auch אפעה, die Viper gehöre17. Unter den hebräischen Übersetzungen des Mittelalters befinden sich auch andere Schriften, die sich auf den Theriak beziehen (z. B. מאמר בתריק von Averroes). Schon im alten Rom betätigten sich Juden als Gewürzkrämer und Drogenhändler18, und im Mittelalter lag der Drogenhandel zum größten Teil in Händen der Juden, die sich z. B. unter Karl dem Großen manchen Schutzes erfreuten19. In Speier und Worms handelten die Juden schon im Jahre 1090 mit Arzneien, worauf sich auch ein Privileg vom Jahre 1182 bezieht. Das Fridericianum vom Jahre 1238 12 Steinschneider: Gifte u. ihre Heilung von Moses Maimonides. Berlin, 1873. 13 Kroner: Pharmazeutisches aus der arabischen Medizin nach den Schriften des Arztes Müsa ibn Maimun. (Südd. Apoth.-Ztg. 64, S. 191). 14 L ö w: Die Flora der Juden, Bd. I—IV. 1924—29, passim. — Derselbe: Notizen zu Realien bei Maimuni (MGWJ. 1935, S. 159). 15Meyerhof: MGWJ. 1934, S. 373. 10 Steinschneider: Die hebr. Übersetzungen des Mittelalters. Berlin, 1893, S. 764. 17 L öw: Notizen z!u Realien bei Maimuni. (MGWJ. 1935, S. 159.) 18 D1 i o s k ur i d e s IV 165. 19 Schelenz: Geschichte der Pharmazie. Berlin, 1904, S. 363.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.