Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Abraham Heschel bundenheit bedeutet Nichtsein. Jede Differenzierung der Form zieht eine Trennung zwischen ihr und der Materie nach sich (separatio earum, quando diversificata est forma121) und damit die Aufhebung des Seins. Es ist daher verständlich, wenn Gabirol die differentia als Element des Nichtseins bezeichnet122. Die Unterschiedlichkeit geht in der Tat auf die Privation der Form, also auf das Nichtsein zurück123. Das Letzte, bis zu welchem der Intellekt im Erfassen gelangen kann, ist das Erfassen der Gattung und der Differenz124. Die Washeit der Dinge besteht aus Gattung und Differenz125. Die Gattungen und die Arten sind die Elemente des Seins in den Dingen, während die Differenzen, Eigentümlichkeiten und Akzidentien das Nichtsein ausmachen. Jene werden durch die Vernunft erfaßt, diese durch die Sinne wahrgenommen. Quod substantia intelligentiae apprehendit esse in omnibus rebus, scilicet formam unientem simplicem, id est genera et species, et substantia animae apprehendit non-esse, id est differentias, propria, accidentia, quae attinguntur sensibus126. Die Gattung ist mit dem Sein identisch und existiert in der Vernunft, die Differenz dagegen ist außerhalb des Seins und existiert in der Seele. Genus est existens in forma intelligentiae, quia genus est esse, et differentia est existens in forma animae, quia differentia est praeter esse127. Die Gattung identifiziert Gabirol ähnlich wie Aristoteles mit der Materie128, die Differenz mit der Form129. Als oberster Gattungsbegriff wird die allgemeine Materie, nicht das Sein angesehen130. (Genus generalissimum, id est materia prima)131. Außer der seinsmäßigen Verschiedenheit, von der bis jetzt die Rede war, gibt es eine wesensmäßige Differenziertheit. Wenn Gabirol sagt, daß im Wissen Gottes die Form und die Materie getrennt voneinander bestehen, so besagt dies, daß 121 V 27, p. 306, 12. 122 III 41, p. 172, 6. 123 Vgl oben, S. 105. 124 V 12, p. 279, 7. IV 6, p. 223, 17. 125 V 24, p. 302, 10. 127 III 41, p, 172, 14. 129 V 8, p. 270, 8. 131 V 8, p. 270, 4. 126 III 41, p. 172, 6. 128 IV; 6, p. 223, 18. 130 V 8, p. 269, 24.