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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1938-01-01 · Heft 2 · p. Seite 109

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
82 (1938)
Issue
Heft 2
Article
Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
Date
1938-01-01
Page
Seite 109 (sequence 21)
Language
German
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Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols 109 der Form zukommt. Die Materie trägt, die Form ist die Differenz. Die Unterschiedlichkeit tritt auf zweierlei Weise auf: als Abspaltung und als Bestand. Indem sieb ein Seiendes von einem anderen löst, wird eine gegebene Einheit gesprengt: ein solcher einheitsstörender Prozeß des Anderswerdens ist eine Funktion der Materie und Form in dem oben beschriebenen Sinne. Sobald aber das losgelöste Seiende eigenen Bestand erhält, so wird aus jenem Anderswerden ein Anderssein. Sein Wesen muß, um Sein zu erlangen, eine ״substantielle Unterscliiedlichkeit46, d. h. die innere, metaphysische Einheit behaupten. In diesem Sinne wären Unum und Differentia konvertibel. Es ist daher verständlich, warum sowohl die Einheit als auch die Unterschiedlichkeit mit der Form identifiziert werden. י Die metaphysische Einheit eines Dinges, seine Individualität und sein Geschiedensein von Anderem, fällt mit seiner Unterschiedlichkeit, der differentia zusammen. Die Unterschiedlichkeit rührt aber von der Form her, nicht von der Materie, die das gleichbleibende indifferente Prinzip ist118. Die Form als Grund der Individualität muß zur indifferenten, teilbaren Materie hinzukommen, um das Seiende zu konstitu^ ieren. Die als Funktion der Form von Gabirol häufig bezeichnete ״Konstituierung des Wesens66 der Dinge wird vielleicht die Differenzierung, die Konstituierung zur Individualität, zum Einzelding bedeuten. Durch diese Überlegung gewinnen wir Verständnis für die — von Gabirol als für seine Lehre grundlegend bezeichnete — These, daß Unterschiedlichkeit und Verschiedenheit auf Materie und Form zurückgehen: Debes praeponere radicem cui innitatur quiequid dixerimus, hoc est, quod principium differentiae et diversitatis est materia et forma119. Das Sein ist die Verbundenheit von Materie und Form (existentia formae in materia)120. Die Störung dieser Ver- 118 Ein weiterer Grund für diese Auffassung mag der Gesichtspunkt sein, daß die metaphysische Einheit — wie aus ihren Funktionen zu ersehen ist — stets a n einem anderen ist und daher nicht mit der Materie zu* sammenfallen kann. 110 V 8, p. 270, 11. 120 V 10, p. 274, 19.

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