Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 18)
- Language
- German
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106 Abraham Heschel in der Seinsordnung Form ist, neigt ja als solche — im Gegensatz zur Materie — nicht zur Vervielfältigung; es ist vielmehr ihre Entfernung vom Ursprung, auf welche die Differenzierung zurückgeht. Infolge dieser Entfernung büßt sie immer mehr ihren Formcharakter ein und wird der Materie ähnlich. Es ist also letztlich nicht die Form, welche die Differenzierung verursacht, sondern die Materie104. Die Form ist die erste und ursprüngliche Ursache der Differenzierung ihrer selbst. Diese Differenzierung erfolgt — infolge der Entfernung der Form von ihrem Ursprung — als qualitative Vervielfältigung, nicht als quantitative Teilung. Die Materie bewirkt dann ferner an der Form und an sich selbst sowohl die qualitative Vervielfältigung wie die quantitative Teilung. Mit Hinblick auf die qualitative Vervielfältigung meint daher Gabirol, nachdem er die Entfernung der Form von ihrem Ursprung als Ursache der Verschiedenheit bezeichnet hat105, principium differentiae et diversitatis est materia et for m a106. Dagegen wird die Materie als die Ursache der Vielheit angesehen: Materia est causa multitudinis rernm et divisionis earum107; die Form wird nirgends als Ursache der Vielheit bezeichnet. Warum aber führt Gabirol die quantitative Vielheit ausschließlich auf die Materie und die qualitative Verschiedenheit hauptsächlich auf die Form zurüdc? Folgende Überlegung mag ihn dazu bestimmt haben. Der Unterschied zwischen den beiden Arten der Formdifferenzierung wird eben darin bestehen, daß die Selbstver- 104 Im gleichen Zusammenhang wird nicht von der Materie, sondern all״ gemein von der Verschiedenheit der die Wirkung des Willens aufnehmenden Substanzen gesprochen: propter diversitatem substantiarum recipientium eura, non propter diversitatem voluntatis in se. V 37, p. 325, 10. 105 IV 18, p. 251, 23. V 31, p. 315, 18 u. a. m. 106 V 8, p. 270, 12. V 37, p. 325, 16. Die Materie allein kann keinesfalls der Grund der Verschiedenheit sein: materia in se est una, et non venit diversitas nisi ex forma, V 30, p. 311, 2. 107 IV 11, p. 236, 20. Et cum forma fuerit non multiplicatrix, debet et materia sit multiplicatrix ... Mlultiplicatio formae est ex materia, II 33, p. 155, 23. Una facit unitatem, ergo materia facit separationem quae est contraria unitati, II 23, p. 67, 21. ■