Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 17)
- Language
- German
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Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols *05 anderungsfaktor betont wird, geht nichts über die Eigenart dieser Veränderung hervor. Die Klärung dieser Frage aber ist eine notwendige Voraussetzung für die Bestimmung des Anteils, die Form und Materie im Einzelnen an der Entstehung der Verschiedenheit und Vielheit haben. Die Veränderung — auch der Materie — geht auf die Entfernung der Form von ihrem Ursprung, also letztlich auf die Form zurück. Wie kann aber die Form, die mit der Einheit identisch und als Prinzip der Einheit anzusehen ist, der Faktor der Differenzierung, Veränderung und Vielheit sein? Diese naheliegende Frage wirft Gabirol nicht auf. Zu ihrer Beantwortung in seinem Sinne vermögen wir folgendes anzuführen. Die Form ist keine absolute, sondern eine geschaffene, hylische, numerische Einheit und deswegen der Vieifältigung fähig und teilbar. (Unitas patiens a prima unitäte est quasi unitas numeri, hoc est debet ut sit multiplicabilis et divisibilis)102. Es ist daher einsichtig, wenn die für die Vervielfältigung veranlagte Form infolge der verschiedenen Grade der Entfernung vom Ursprung der Einheit differenziert wird. Die nächste Differenzierung der Form erfolgt durch die Materie, die wir als Prinzip der Trennung bezeichnet haben. Die Differenzierung der Materie aber wird nicht durch die Form als solche, sondern durch deren Entfernung vom Ur- Sprung verursacht, die Entfernung aber — die kein positiver, sondern ein negativer Faktor ist bedeutet etwas, was der Form entgegengesetzt ist: nämlich die Einbuße an Einheit. Diese zunehmende Blöße, die Mangelhaftigkeit der kreatürliehen Form, die Nichtform an der Form, also eine Privätion, ist es, die sich als Faktor der Vervielfältigung auswirkt. Wenn Gabirol behauptet: Der Grund für die Verschiedenheit der Wirkung des Willens muß in der seine Wirkung aufnehmenden Materie und nicht in dem Willen selbst gesucht werden103, so bedeutet das Verschweigen der Form keine Inkonsequenz. Die Materie ist hier wohl eine Gesamtbezeichnung der für alle die Form und Materie umfassenden Substanzen, insofern sie Wirkung des Willens empfangen. Was 102 IV 19, 252, 4; vgl IV 14, 242, 12. Moipaitsischirift, 82. Jahrgang 103 V 37, p. 324, 15. 8