Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 12)
- Language
- German
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Abraham Heschel 100 haben wir uns die Stufenreihe der Form vorzustellen. Die allgemeine Form breitet sich über alle Formen aus, wie das Licht über die Luft, in kontinuierlicher Ausdehnung von oben nach unten und erfüllt und umfaßt die allgemeine Materie, so daß es keinen Teil und keinen Ort in der Materie gibt, der von ihr leer, entblößt und nicht mit ihr bekleidet wäre. Die Stufenfolge, in der sie in der Materie existiert, ist jedoch sehr verschieden, denn an der oberen Grenze ist das von ihr ausgehende Licht sehr rein und die dieses Licht tragende Substanz geistig und fein, an der unteren Grenze wiederum ist das von ihr ausgehende Licht dunkel, umschattet und trüb, und die dieses Licht tragende Substanz körperlich und dicht: zwischen den beiden Grenzen aber sind Mittelstufen je nach dem Maße der Veränderung des Lichts und der Dichtigkeit der Materie infolge der Entfernung oder der Nähe. Betrachten wir die Form in dieser Weise, so sehen wir, daß sie am Anfang geistig und vollkommen ist und dann von Stufe zu Stufe sich immer mehr verdichtet, bis sie zur untersten Grenze gelangt; hier aber hört die Bewegung auf und die Form kommt zur Ruhe und zum Stillstand76. 8. Selbstveränderung der Form. Die Ursache der Verschiedenheit der Form liegt darin, daß sie sich immer mehr von ihrem Ursprung entfernt77. Obwohl die Form ihrem Wesen nach einheitlich ist78, erleidet sie Veränderung unabhängig von der Berührung mit der Materie (absque coniunctione eius cum materia)79. Alles Geschaffene muß, da es einen Anfang hat, auch ein Ende haben. Auch die Kraft des Lichtes muß, da es einen Anfang hat, ein Ende haben. Und wie bei jedem Dinge das Ende nicht dem Anfang gleich ist, so wird auch die Kraft des Lichtes oder der Form, je mehr sie von dem Quell und Ursprung sich entfernt, schwächer, bis sie zuletzt ihre äußerste Grenze erreichend ganz zum Stillstand gelangt80. terminum creationis, scilicet principiirm unitionis materiae et formae, aliud descendens ad finem quietis. V 29, p. 310, 14. 76 IV 18, p. 251, 6. 77 IV 18, p. 251, 22. Vgl. V 31, p. 315, 18. c. 32, p. 316, 24. c. 34, p. 319, 18. 78 IV 15, p, 245, 6. 79 IV 15, p. 245, 25. IV 15, p. 245, 8.