Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 11)
- Language
- German
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Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols 99 ist68. Die erste Einheit ist eine Eigenschaft des göttlichen Wesens69 und gleichsam mit dem göttlichen Willen identisch70, von dem auch, die Form die Kraft empfängt, die Materie zu halten. Die Behauptung, die Form halte die Materie, ist im uneigentlichen Sinne zu verstehen. In Wahrheit ist es der Wille, der vermittels der Form die Materie hält71. Für Gabirol ist die Gegensätzlichkeit zwischen Schöpfer und Geschöpf ein entscheidendes metaphysisches Prinzip. Dem unus creator steht das creatum multiplex gegenüber72. Das Geschaffene muß von dem Schöpfer verschieden sein73. Die erste Einheit, welche die Einheit an sich ist, hat eine Einheit geschaffen, die anders ist als sie, und die unter ihr steht. Da die Einheit des Schöpfers weher Anfang noch Ende, weder Veränderung noch Verschiedenheit in sich hat, so muß die von ihr geschaffene Einheit Anfang und Ende haben und der Veränderung und Verschiedenheit zugänglich sein; sie wird dadurch der vollkommenen ersten Einheit unähnlich. Es kommt ihr, weil sie der vollkommenen, wahren Einheit entgegengesetzt ist, Vielfältigkeit, Verschiedenheit und Veränderlichkeit zu; sie ist teilbar und hat verschiedene Stufen74. 7. Die Abstufung der Materie und Form. Das Gesetz der Gegensätzlichkeit erklärt die Disposition der kreatürliehen Einheit für die Vielfältigkeit, Verschiedenheit und Veränderlichkeit. Wie haben wir uns den Prozeß dieser Differenzierung vorzustellen? Was ist ihre Ursache und auf welche Weise entsteht sie an der Einheit? Wir haben uns die Materie vorzustellen, als hätte sie zwei Endpunkte, den einen an der Grenze der Schöpfung, d. h. am Beginn der Vereinigung von Materie und Form, und den anderen an der Grenze des Aufhörens75. Auf ähnliche Weise 68 II 20, p. 60, 28; vgl. IV 13, p. 239, 20; V 32, p. 317, 7. 69 V 42, p. 333, 5. 70 V 37, p. 325, 15. 71 V 39, p. 327, 22. 72 V 25, p18 ,303 .־. Vgl. I 5, p. 7, 16. Vgl. Jacob Guttmann, Religionsphilosopbie des Saadia, 37 f.; Thomas von Aquin, Summa contra gentiles, II55. 73 Quia creator omnium debet esse unus tantum, et creatum debet esse diversum ab eo, IV 6, p. 222, 25. 74 II 20, p. 61, 3. Vgl. IV 14, p. 242, 12. 75 Intellige materiam quasi habeat duo extrem-a, unum ascendens ad