Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 9)
- Language
- German
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Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols 97 stehen folgende Auslassungen gegenüber: Multa sunt ex uno; et omne quod est in aliquo, inventum est in eo ex quo est. Ergo multa inveniuntur in uno56. Ferner: Multiplicitas est inventa in essentia unius57. Diese Behauptungen von einem Vorhandensein der Vielheit in der Einheit beziehen sich auf ein Stadium, das vor dem Her vor gang der Vielheit aus der Einheit ist. Es ist also eine potentiell existierende Vielheit und ihr potentielles Vorhandensein in der Einheit gemeint, während umgekehrt das wirkliche Vorhandensein der Einheit in der Vielheit behauptet wird. Ein Widerspruch liegt somit nicht vor. f) Das Getragensein der Einheit. Wie die Form von der Materie (et sustentata in materia sibi subiecta) wird die Einheit von dem Ding, das ihr Substrat ist, getragen (sustentata in eo quod est sibi subiectum). Das Getragensein der Einheit ist erforderlich, da sie kein selbständiges Wesen, sondern eine Eigenschaft ist58. Diese Behauptung steht scheinbar im Wider- Spruch zu folgenden Stellen: Unitas est origo multiplicitatis per se. et quicquid fuerit origo alicuius per se, est sustinens illud. ergo unitas est sustinens multiplicitatem per se59. Ferner: Unitas est sustinens omnia60. Es sind auch hier zwei Aspekte zu unterscheiden: die Einheit im Verhältnis zu ihrem jeweiligen Substrat, und die Einheit im Verhältnis zu den Dingen, die aus ihr hervorgehen und auf sie folgen. Im ersten Falle ist sie gleichsam eine Form des Substrats und wird von dem Substrat getragen. Im zweiten Falle aber ist sie keine Form, sondern eine Materie, denn das Obere ist Materie für das Untere (quid fuerit altius et subtilius, erit materia inferiori et spissiori)61, als Materie aber trägt sie die auf sie folgenden Dinge. Die Einheit als Form wird daher als Getragenes, als Ursprung (origo) aber wird sie als Tragendes bezeichnet. Als Getragenes steht sie nur im Verhältnis zu ihrem Substrat (sustentata in eo quod est sibi subiectum), als Tragendes dagegen zu allen aus ihr hervorgehenden Dingen (sustinens omnia). 56 III 32, p. 154, 8. 57 HI 33, p. 155, 19. 58 IV 10, p. 234, 21; IV 11, p. 235, 12; vgl. V 23, p. 333, 5. 53 III 33, p. 155, 14. 60 V 31, p. 315, 20. 61 II 1, p. 24, 8.