Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Begriff der Einheit in der Philosophie Gabirols
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
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96 Abraham Heschel sind51. Andererseits wird die Vielheit nicht in der Einheit aufgehoben, sondern bleibt in ihr bestehen. Allein was ist der Sinn dieser Umfassung der Vielheit durch das Eine? Gabirol mag damit die Frage nach dem Seinsgrund der Vielheit beantwortet haben wollen. Die Vielheit muß von der Einheit, als dem Seinsgrund, umfaßt werden, um überhaupt Sein zu besitzen. Diese ״Umfassung“ verleiht jeder Vielheit eine irgend wie geartete formale Einheit, die sie zu einer Vielheit macht52. Es ist Mar, daß die Konvertibilität von Sein und Einheit sich nicht auf das Inhaltliche, sondern auf das Wie eines Gegenstandes bezieht. e) Die Immanenz der Einheit in der Vielheit. Die Einheit ist in allen Teilen der Vielheit vorhanden (existenz in omnibus partibus eins), ähnlich wie es bei der Form der Fall ist. Der Sinn dieser Behauptung erhellt aus der Erwägung ״des Gegenteils. Würde nämlich die Einheit nicht in allen Teilen des Dinges existieren, dann wäre das Ding z. T. eine Einheit und z. T. eine Vielheit, also eben keine Einheit. Auch auf den Grundsatz: Die Natur des Ganzen ist auch in den Teilen des Ganzen53, sei in diesem Zusammenhänge hingewiesen. Dies gilt für die Form, die infolge ihrer größeren Feinheit die Materie durchdringt54. Die Gesamtheit der Form ist in die Gesamtheit des Wesens der Materie ergossen und durdidringt deren sämtliche Teile, wie das Licht die Gesamtheit des Wesens der Luft und die Farbe das Wesen des Körpers durchdringt und wie die Quantität in das Wesen der Substanz ergossen ist55. Der These von der Immanenz der Einheit in der Vielheit 51 in 32, p. 153, 10, s. III. 43, p. 175, 3. 52 ״Jede Vielheit ist irgendwie eine Einheit“: Otnnis multitudo est quodammodo unum. ״Denn es gibt nur deshalb viele Dinge, weil die vielen jedes in sich eines sind“. . Denn, wie Dionysius Areopagit ausführt, e s gibt ״keine Vielheit, die nicht irgendwie am Einen teilnimmt: so sind die vielen Teile eins im Ganzen; die vielen Eigenschaften eins in ihrem Träger; die vielen׳ Einzelwesen eins in der Art, der sie angehören; die vielen Arten־ eins in der Gattung; die vielen Wirkungen eins in ihrer lb> Sache.“ — Thomas, Summa theologica I, q 11, a 1. 53 III 19, p. 123, 7. 54 III 14, p. 108, 16; vgl. p. 109, 1; III 34, p. 159, 1. 55 IV 14, p. 241, 20.